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                <title>Julius an Barbara, Wesel, 23. Mai 1866</title>
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            <editionStmt><p>Julius und Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
                Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. <ref target="http://julius-und-barbara.de">http://julius-und-barbara.de</ref></p></editionStmt>
            <publicationStmt><publisher><ref target="http://orcid.org/0000-0002-6923-0950">Stefan Dumont</ref></publisher><pubPlace ref="http://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><idno type="URLWeb">http://julius-und-barbara.de/D18660523.html</idno><idno type="URLXML">http://julius-und-barbara.de/D18660523.xml</idno><date when="2025-10-08+02:00"/></publicationStmt>
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                    <persName key="DP0001">Julius Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0006">Wesel</placeName>
                    <date when="1866-05-23"/>
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                    <persName key="DP0002">Barbara Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0007">Bergheimerdorf</placeName>
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                <change when="2025-08-27" who="dumont">Transkription abgeschlossen und
                    geprüft.</change>
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                <opener>
                    <dateline>Wesel, den 23/5 1866</dateline>
					<salute>Mein herzensliebes Bärbchen!</salute>
                </opener>
				<p>Nachdem ich gestern Dienstag von <lb/>morgens 8 Uhr bis abends 9 Uhr <lb/>herumgestanden und
                    mich mit <lb/>den sehr betrunkenen Mannschaften <lb/>habe beschäftigen müssen,
                    kann <lb/>ich mir heute Morgen einige Stunden <lb/>freie Zeit gönnen, Dir einen
                    Brief <lb/>zu schreiben, damit du weißt, wo <lb/>ich in der Welt geblieben und
                    was <lb/>aus mir geworden ist.</p>
                <p>Nachdem ich am verflossenen Montag <lb/>Abend 7 Uhr hier angelangt, war ich
                    <lb/>bald in dem militairischen Leben <lb/>und fing an, die sich vor mir eröff<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>nende neue Welt zu überschauen.
                    <lb/>Zunächst muss ich dir versichern, daß <lb/>ich wegen meiner weniger besorgt
                    war, <lb/>als wegen dir; ein von <persName key="DP0013"><hi rendition="#aq">Dr.
                            Iltgen</hi></persName>
                    <lb/>hier eingelaufener Brief hat mich bereits <lb/>beruhigt, daß du standhaft
                    geblieben <lb/>bist, wie ich solches von dir erwartet <lb/>habe; wenn nun der
                    heutige Tag eben<lb break="no"/>sogut für dich vorüber geht, so bin <lb/>ich
                    beruhigt; im Uebrigen vertraue <lb/>ich auf Gottes Schutz, der uns Allen<pb n="2"/>
                    <lb/>Hilfe gewähren wird; theile mir rasch <lb/>mit, wie du angekommen bist
                    <lb/>und wie du alles zu Hause gefunden <lb/>hast.</p>
                <p>In unserem Batallion befinden sich Offi<lb break="no"/>ziere aus allen Ständen
                    des Lebens <lb/>alles <ref xml:id="ref_d1e173" corresp="note_d1e174">honette</ref><note xml:id="note_d1e174" corresp="ref_d1e173" type="editorial">anständig, ehrhaft, brav - vgl. <ref target="https://www.dwds.de/wb/honett">DWDS-Eintrag</ref>.</note> Leute, mit denen <lb/>sich umgehen lässt;
                    unser Komman<lb break="no"/>deur ist ein honetter Mann, der <lb/>mit sich
                    umgehen lässt; im Uebri<lb break="no"/>gen sind wir als Besatzung von <lb/>Wesel
                    bestimmt und brauchst du <lb/>also bestimmt nicht besorgt zu <lb/>sein; ich traf
                    einen Kameraden, der <lb/>als <choice>
                        <orig>einj.</orig>
                        <reg>einjähriger</reg>
                    </choice> Freiwiliger mit mir diente <lb/>der aber nicht Offizier ist, im
                    Uebrigen <lb/>aber weit schlimmer gestellt ist, wie <lb/>ich; überhaupt findet
                    man sich <lb/>zusammen und trifft Bekannte, die <lb/>man gar nicht erwartet
                    hat.</p>
                <p>Unsere Briefe und Paquete sind <lb/>portofrei und lautet meine Adresse
                    <lb/>einstweilen</p>
                <p><address>
                    <addrLine>Sekonde-Lieutenant Dumont</addrLine>
                    <addrLine>im 4ten Westph. Ldwehr-Regiment</addrLine>
                    <addrLine>Nr. 17 <space unit="words" quantity="1" dim="horizontal"/>in Wesel</addrLine> 
                    <addrLine><hi rendition="#u">Feldpostbrief</hi>
                    <space unit="words" quantity="1" dim="horizontal"/> Hotel Dornbusch</addrLine>
                </address></p>
                <p>Das Wort „<hi rendition="#u">Feldpostbrief</hi>“ und im <lb/>Falle eines Paquetes
                        „<hi rendition="#u">Feldpostpacket</hi>“<pb n="3"/>
                    <lb/>darf nicht vergessen werden, weil <lb/>sonst Porto bezahlt werden muss.
                    <lb/>So eben habe ich meinen Kaffe getrun<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>ken und mir die Mobilisierungs<lb break="no"/>pfeife angesteckt; sage an Vater
                    <lb/>daß ich dieselbe für ihn <ref xml:id="ref_d1e272" corresp="note_d1e273">verspare</ref><note xml:id="note_d1e273" corresp="ref_d1e272" type="editorial">Etwas für später aufsparen. Vgl. <ref target="https://www.dwds.de/wb/versparen">DWDS-Eintrag</ref>.</note>
                    <lb/>und ihn dieselbe nach vollendetem <lb/>Feldzug überreichen werden; wenn
                    <lb/>das Ende desselben sein wird ver<lb break="no"/>mag ich nicht anzugeben;
                    jedenfalls <lb/>wird uns das Jahr 1866 ein ewig <lb/>denkwürdiges bleiben; wenn
                    wir auch <lb/>vom Schicksal hart getroffen werden, <lb/>so müssen wir uns mit
                    dem Gedan<lb break="no"/>ken trösten, daß Tausend Andere in <lb/>gleicher Lage
                    sind; wie freue ich mich <lb/>darauf, dich baldigst wiederzusehen, <lb/>sobald
                    ich Urlaub erhalten kann, wer<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>de ich mich
                    von hier los brechen. </p>
				<closer>
					<salute>Viele herzliche Grüße an Euch Alle <lb/>insbesondere an dich tausend Grüße <lb/>und
                        Küsse von <lb/>Deinem dich liebenden Gatten</salute>
					<signed>Julius</signed>
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