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                <title>Julius an Barbara, Kalkar / Wesel, 25. Mai 1866</title>
            </titleStmt>
            <editionStmt><p>Julius und Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
                Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. <ref target="http://julius-und-barbara.de">http://julius-und-barbara.de</ref></p></editionStmt>
            <publicationStmt><publisher><ref target="http://orcid.org/0000-0002-6923-0950">Stefan Dumont</ref></publisher><pubPlace ref="http://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><idno type="URLWeb">http://julius-und-barbara.de/D18660525.html</idno><idno type="URLXML">http://julius-und-barbara.de/D18660525.xml</idno><date when="2025-10-08+02:00"/></publicationStmt>
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                <msDesc rend="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <institution>Privatbesitz</institution>
                        <idno>keine Signatur vergeben</idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>4°, gefaltet. 3 1/2 Seiten beschrieben. Auf der ersten Seite oben links
                            Bath-Stempel.</p>
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                    <persName key="DP0001">Julius Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0008">Kalkar</placeName>
                    <placeName key="DO0006">Wesel</placeName>
                    <date when="1866-05-25"/>
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                <correspAction type="received">
                    <persName key="DP0002">Barbara Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0007">Bergheimerdorf</placeName>
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                <opener>
                    <dateline>Calcar oder vielmehr <lb/>Wesel den 25/5 1866</dateline>
                    <salute>Mein liebes gutes Bärbchen!</salute>
                </opener>
                <p>Du kannst dir kaum vorstellen, <lb/>mit welcher Freude ich so eben dei<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>nen Brief gelesen habe, der mir Alles
                    <lb/>Gute mittheilt, was ich mir in dieser <lb/>betrübten Zeit erwarten konnte.
                    <lb/>Ich bin jetzt beruhigt, und zufrieden <lb/>mit Allem, was mir beschieden
                    ist <lb/>und vertraue auf Gott, der Alles zum <lb/>Besten lenken wird, wenn der
                        Wahn<lb break="no"/>sinn die Menschen ergriffen hat. </p>
                <p>Am Montag marschiert die ganze <lb/>Garnison fort und bleibe ich beim Be<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>satzungsbataillon zurück; ich bin wohl
                    <lb/>und gesund und halte mich von allen <lb/>sonstigen kostspieligen
                    Geschichten ferne. <lb/>Der Kopf ist mir indessen arg versetzt <lb/>und läuft er
                    mir wund von Tornister <lb/>Stiefeln, Mänteln etc, indem ich mich <lb/>bis jetzt
                    fast ausschließlich mit derarti<lb break="no"/>gen Sachen befassen musste; die
                    <lb/>Lauferei hört indessen bald auf und <lb/>fängt dann der regelmäßige Dienst
                    <lb/>an; Sorge so schnell als möglich, daß <lb/>ich einige Paar feine wollene
                    Strümpfe <lb/>erhalte, indem wir wahrscheinlich auch<pb n="2"/>
                    <lb/>demnächst auf den Marsch und wie ich be<lb break="no"/>stimmt glaube, nach
                        <placeName key="DO0025">Coeln</placeName> marschieren, <lb/>was mir sehr
                    angenehm sein würde, <lb/>indem ich dann meine gewohnten <unclear reason="illegible" cert="low">Rei<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>sen</unclear> wieder machen könnte.</p>
                <p>Doch einstweilen ist Alles unbestimmt <lb/>und thut man seinen Dienst <lb/>wie
                    befohlen wird; ich habe verschie<lb break="no"/>dene Nebenposten erhalten, unter
                        An<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>derem bin ich zum
                        untersuchungsführen<lb break="no"/>den Offizier ernannt, was namentlich
                    <lb/>3 Thlr macht; mein Kompagnieoffizier <lb/>ist der <ref xml:id="ref_d1e193" corresp="note_d1e194">Stadtbaumeister von Duisburg</ref><note xml:id="note_d1e194" corresp="ref_d1e193" type="editorial">Vermutlich handelt es sich um <persName key="DP0012">Christian
                                Roudolf</persName>.</note>
                    <lb/>Vater von 4 Kindern; <unclear reason="illegible" cert="low">o
                        Monakow</unclear>
                    <lb/>ist wieder abgereist, weil er krank <lb/>geworden; Wir Uebrigen sind gesund
                    <lb/>und bekommt mir der massenhafte <lb/>Staub ganz gut. Wesel ist eine
                        <unclear reason="illegible" cert="low">krumm<lb break="no"/>straßige</unclear> und schwierige Stadt und <lb/>namentlich gesegnet mit
                    einer dicken <lb/>Sorte von Wanzen und Flöhen, wovon <lb/>unsere Landwehrleute
                    schon zu erzählen <lb/>wissen;  Apotheker Mankoch? ist nicht<lb/>mehr Apotheker
                    hierselbst, da er für 47000 <lb/>Thlr verkauft hat. </p>
                <p>Vom Auspacken der Sachen hast du  <lb/>mir nichts geschrieben; hoffentlich ist
                    <lb/>Alles wohlerhalten angekommen und <lb/>fängst Du an dich auf die kommen<pb n="3"/><lb break="no"/>den Tage vorzubereiten; Gott gebe seinen <lb/>Segen
                    zu Allem, was da kommen <lb/>wird.</p>
                <p>Nach Königswinter werde ich inden <lb/>nächsten Tagen ebenfalls einen Brief
                    <lb/>abgehen lassen, damit Vater und <lb/>Mutter beruhigt sind. </p>
                <p>Wenn Du mir Sachen schickst, so lasse <lb/>dieselben im Schließkorb abgehen,
                    <lb/>den ich hier gut benutzen kann.</p>
                <p>Mein Bursche ist Familienvater von <lb/>4 Kindern und seines Standes Gärtner
                    <lb/>wohnhaft in Wesel.</p>
                <p>Vater und Mutter werden hoffentlich <lb/>nebst Ohm Anton wohl und gesund
                    <lb/>sein, wozu ich mich baldigst zu über<lb break="no"/>zeugen denke.</p>
                <p>Bestelle mir bei Heinr. Alken eine <lb/>Flasche Chinabitter, lasse sie wohl
                        ver<lb break="no"/>packen und mir dann nächstens recht <lb/>fest in Heu
                    gewickelt mit den Strümp<lb break="no"/>fen zugehen; der Chinabitter hält den
                    <lb/>Magen in Ordnung und ist mir immer <lb/>gut bekommen, wenn ich in
                        unregelmä<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>ßiger Kost gelebt habe.</p>
                <p>Sei im Uebrigen muthig und gefasst <lb/>liebes Herzens-Frauchen; und wenn <lb/>es
                    uns auch sehr schwer ist unser <lb/>Leid zu ertragen so muss uns das <lb/>noch
                    größere Leid Anderer ein trotz<pb n="4"/><lb break="no"/>sein.; du bist unter
                    elterlichen <lb/>Schutz und Obhut, das ist die Hauptsache, <lb/>ich bin
                    einstweilen ohne Gefahr, wenn <lb/>auch meinen sonstigen Verhältnissen
                    <lb/>entrissen.</p>
                <p>Sei standhaft und denke an das <lb/>jenige Pfand welches Du unter dem <lb/>Herzen
                    trägst.</p>
                <closer>
                    <salute>Lebe wohl und schreibe bald <lb/>Deinem dich treuliebenden <lb/>dich
                        herlich umarmenden Gatten</salute>
                    <signed>Julius</signed>
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