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                <title>Julius an Barbara, Recklinghausen, 4. Juni 1866</title>
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            <editionStmt><p>Julius und Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
                Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. <ref target="http://julius-und-barbara.de">http://julius-und-barbara.de</ref></p></editionStmt>
            <publicationStmt><publisher><ref target="http://orcid.org/0000-0002-6923-0950">Stefan Dumont</ref></publisher><pubPlace ref="http://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><idno type="URLWeb">http://julius-und-barbara.de/D18660604.html</idno><idno type="URLXML">http://julius-und-barbara.de/D18660604.xml</idno><date when="2026-06-02+02:00"/></publicationStmt>
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                <msDesc rend="manuscript">
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                        <institution>Privatbesitz</institution>
                        <idno>keine Signatur vergeben</idno>
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                    <persName key="DP0001">Julius Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0030">Recklinghausen</placeName>
                    <date when="1866-06-04"/>
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                <correspAction type="received">
                    <persName key="DP0002">Barbara Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0007">Bergheimerdorf</placeName>
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                <opener>
                    <dateline>Recklinghausen <lb/>bei Dortmund 4/6 66</dateline>
					<salute>Mein Herzensliebes Bärbchen!</salute>
                </opener>
				<p>Heute sollen wir ausruhen von <lb/>dem 2 tägigen, in der That schreck<lb break="no"/>lichen
                    Marsche von <hi rendition="#aq">Wesel</hi> über <lb/><hi rendition="#aq">Dorsten</hi> nach <hi rendition="#aq">Dortmund</hi>; ich <lb/>will dir
                    zunächst mittheilen, <lb/>daß ich ganz gesund und wohl <lb/>bin; von <hi rendition="#aq"><placeName key="DO0006">Wesel</placeName></hi> bis <hi rendition="#aq"><placeName key="DO0031">Dorsten</placeName></hi>
                    <lb/>6 Stunden – ein sehr anstrengender <lb/>Marsch – Aufbruch Morgens 7 Uhr
                    <lb/>Ankunft in Dorsten Nachmittags <lb/>4 Uhr – fürchterliche Hitze, wodurch
                    <lb/>sehr viele Kranke; ich hatte Quar<lb break="no"/>tier beim Apotheker und
                    war gut <lb/>aufgehoben; gestern Sonntag Morgens <lb/>Aufbruch von <hi rendition="#aq">Dorsten</hi> 7 Uhr – Ankunft <lb/>in <hi rendition="#aq"><placeName key="DO0030">Recklinghausen</placeName></hi> Nachmittags
                    <lb/>3 Uhr – habe in der That niemehr <lb/>einen gräßlichern Marsch gehabt –
                    <lb/>denke Dir – der ganze Weg 7 <lb/>Stunden nur Sand, glühend heiß <lb/>bis
                    über die Knöchel. Gott hat <lb/>uns beschützt und sind wir mit<pb n="2"/>
                    <lb/>Ausnahme einiger Kranken glück<lb break="no"/>lich hier angelangt, von der
                    Sonne <lb/>verbrannt, wie gesottene Krebse. <lb/>Bin wieder in gutem Quartier
                    bei <lb/>einem Herzogl. <unclear reason="illegible" cert="high">Arembergschen
                            Domei<lb break="no"/>nenwarth</unclear>, sehr artige Leute und
                    <lb/>Familie mit 8 Kindern. </p>
                <p>Morgen Dienstag marschieren wir <lb/>von Recklinghausen nach <placeName key="DO0009">Dortmund</placeName>
                    <lb/>nehmen daselbst Quartier und fahren <lb/>dann am Mittag per Eisenbahn
                    <lb/>von dort bis Minden, woselbst <lb/>wir Abends ankommen; dort <lb/>erhalten
                    unsere Mannschaften war<lb break="no"/>me Kost und von dort fahren <lb/>wir die
                    ganze Nacht durch nach <lb/>dem nun erworbenen <hi rendition="#aq"><placeName key="DO0032">Lauenburg</placeName></hi>, <lb/>woselbst wir
                    Besatzungstruppe <lb/>werden sollen; gestern erhielten <lb/>wir hier den unsern
                    Marschroute <lb/>abändernden Befehl; ein Blick <lb/>auf die Karte wird dir
                    Auskunft <lb/>geben, wo ich nächstens sein werde<supplied cert="high">.</supplied>
                    <lb/>Lauenburg liegt rechts von Ham<lb break="no"/>burg und zweifle ich nicht
                    daran <lb/>daß wir dort gefahrlos aufgehoben<pb n="3"/>
                    <lb/>sind.</p>
                <p>So wird mir dann die Möglichkeit <lb/>gänzlich genommen, dich, wie ich
                    <lb/>beabsichtigte, baldigst wiederzu<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>sehen
                    und bin ich desshalb nicht <lb/>wenig verstimmt; Gott wird uns <lb/>hoffentlich
                    Alle beschützen und <lb/>glücklich wiederzusammen führen; <lb/>sobald das Ziel
                    unserer Reise <lb/>erreicht ist, werde ich dir umge<lb break="no"/>hends
                    schreiben und kannst du <lb/>denn sofort Hemder Unterhosen <lb/>und Strümpfe für
                    mich abgehen <lb/>lassen; ich habe hier Einiges waschen <lb/>lassen und komme
                    noch für einige <lb/>Tage aus.</p>
                <p>Die Hitze ist hier schrecklich und <lb/>bin ich froh, daß wir baldigst
                    <lb/>gefahren werden; ich bin furchtbar <lb/>verbrannt und noch wie ein Krebs
                    <lb/>und wirst du mich schwerlich wie<lb break="no"/>dererkennen, wenn ich
                    demnächst <lb/>meinen Erstgeborenen besuchen <lb/>kann; du kannst dir leicht
                        vor<lb break="no"/>stellen, wie ich im Geiste Alles mit <lb/>dir durchlebe,
                    was bevorsteht und<pb n="4"/>
                    <lb/>wie es mir sehr nahe geht, daß ich <lb/>grade jetzt nicht bei dir sein kann
                    <lb/>wo das Weib am liebsten sich sei<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>nem
                    Manne anvertraut. Es ist <lb/>mir ein großer Trost, daß du <lb/>bei den Eltern
                    bist, wenn auch im <lb/>Uebrigen unser Leid groß ist <lb/>Viele Andere sind in
                    ähnlicher <lb/>und vielleicht noch schlimmerer Lage <lb/>und muss man sich am
                    Unglück <lb/>Anderer emporrichten, du kannst <lb/>meinetwegen ruhig sein,
                    einstweilen <lb/>ist keine Gefahr vorhanden und <lb/>hoffentlich wird der Friede
                    uns <lb/>baldigst wieder zur Heimath <lb/>führen; denke dir, gestern Abend
                    <lb/>saßen wir in einem hiesigen Hotel <lb/>beim Schippen; auf der Wand war
                    <lb/>in Fresko das Siebengebirge <lb/>mit <placeName key="DO0001">Königswinter</placeName> und Rolands<lb break="no"/>eck gemalt – ich
                    brauche dir nicht <lb/>zu sagen, welche Gefühle in meiner <lb/>Brust erwachten,
                    die Thränen <lb/>kamen mir in die Augen beim <lb/>Anblick meiner Heimath, von
                    der <lb/>ich nun verschlagen bin und noch <lb/>weiter verschlagen werden
                        soll<supplied cert="high">.</supplied></p>
				<closer place="left">
                    <salute>Mein Brief wird dich hoffentlich in bestem Wohlsein antreffen <lb/>viele
                        herzliche Grüße an Euch Alle, insbesondere auch an dich <lb/>von deinem dich
                        immer treuliebenden Gatten Julius</salute>
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