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                <title>Julius an Barbara, Jenfeld, 13. Juni 1866</title>
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            <editionStmt><p>Julius und Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
                Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. <ref target="http://julius-und-barbara.de">http://julius-und-barbara.de</ref></p></editionStmt>
            <publicationStmt><publisher><ref target="http://orcid.org/0000-0002-6923-0950">Stefan Dumont</ref></publisher><pubPlace ref="http://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><idno type="URLWeb">http://julius-und-barbara.de/D18660613.html</idno><idno type="URLXML">http://julius-und-barbara.de/D18660613.xml</idno><date when="2025-10-08+02:00"/></publicationStmt>
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                        <idno>keine Signatur vergeben</idno>
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                    <persName key="DP0001">Julius Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0018">Jenfeld</placeName>
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                    <persName key="DP0002">Barbara Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0007">Bergheimerdorf</placeName>
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                <change when="2025-08-22" who="dumont">Erste Transkription</change>
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                    <dateline>Jensfeld 13/6 1866</dateline>
					<salute>Mein liebes gutes Bärbchen!</salute>
                </opener>
				<p>mein letzter Brief an dich war <lb/>von <placeName key="DO0020">Dahmke</placeName> datirt und
                    wirst <lb/>du denselben hoffentlich erhalten <lb/>haben; in Dahmke hat man uns
                    <lb/>auch keine Ruhe gelassen, viel<lb break="no"/>mehr sind wir im Quartier
                    <lb/>Brooke, gestern Dienstag im Quar<lb break="no"/>tier <placeName key="ed_bmh_dtf_kgc">Barsbüttel</placeName> und heute im <lb/>Quartier
                        <placeName key="DO0018">Jensfeld</placeName> bei Wansbeck <lb/>2 Stunden
                    rechts von Hamburg. <lb/>mit großer Sehnsucht habe ich ei<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>nen Brief von dir erwartet und <lb/>konnte ich mir das
                    Stillschweigen <lb/>nur dadurch erklären, daß inder <lb/>That nicht schreiben
                    konntest wie <lb/>du vielleicht unterdessen Mutter, <lb/>geworden; heute
                    Mittwoch Morgen <lb/>habe ich vor dem Ausmarsch aus <lb/>Borsbüttel deinen
                        langersehn<lb break="no"/>ten Brief erhalten; derselbe <lb/>bringt mit
                    günstige Nachrichten <lb/>von dir und den lieben Deinigen. <lb/>Um dich
                    meinetwegen zu beruhigen<pb n="2"/>
                    <lb/>habe ich mich im Quartir Jensfeld <lb/>sofort herbei gemacht, Dir einen
                    <lb/>Brief zu schreiben, nachdem ich <unclear reason="illegible" cert="low">rohen</unclear>
                    <lb/>Dreck und Staubd heruntergewaschen <lb/>habe. Heute habe ich zum erstenmale
                    <lb/>seit 8 Tagen wieder Aussicht <lb/>in einem Bett zu schlafen, worauf
                    <lb/>ich mich in der that sehr freue; <lb/>Denke dir, gestern lagen wir in
                    <lb/>einem Dorfe von 30 Häusern zu 800 <lb/>Mann, ich brauche dir also nicht
                    <lb/>zu sagen wie schön unsere Quartiere <lb/>waren; im Übrigen bin ich wohl
                    <lb/>und gesund und nunmehr an alle <lb/>Strapazen gewöhnt; wohin unsere Reise
                    <lb/>geht, wissen wir nicht; ich vermu<lb break="no"/>the daß man uns <unclear reason="illegible" cert="low">einstweilen</unclear> Ruhe <lb/>gönnt, da wir
                    heute sehr <unclear reason="illegible" cert="low">dünn <lb/>gurstiert</unclear>
                    sind und die Oestreicher <lb/>gestern Morgen abgerückt sind. <lb/>Es kann
                    indessen noch lange dau<lb break="no"/>ern, bevor wir entlassen werden
                    <lb/>indem das Ende des Dramas noch nicht <lb/>zu übersehen ist; mit Wasche bin
                    <lb/>ich bis jetzt noch ausgekommen; <lb/>das Paquet mit reiner Wasche <lb/>von
                    dir abgesandt habe ich noch nicht <pb n="3"/><lb/>erhalten; die Briefe laufen
                    lange <lb/>in der Welt herum, bevor <lb/>wir dieselben erhalten; sobald <lb/>wir
                    ständige Quartiere haben, <lb/>ändert sich Alles.</p>
                <p>Ich vernehme zu meiner größten <lb/>Freude, daß Du mit den Einrich<lb break="no"/>tungen für die bevorstehende Ent<lb break="no"/>bindung nunmehr in Ordnung
                    <lb/>bist; du kannst dir leicht vor<lb break="no"/>stellen, wie es mir ums Herz
                    ist, <lb/>daß ich nicht an deinem Bette sein <lb/>kann; vertrauen wir auf Gott,
                    <lb/>daß er uns Muth und Kraft ver<lb break="no"/>leihen möge, alle den
                    Prüfungen <lb/>zu bestehen: die Freude des Wie<lb break="no"/>dersehens wird
                    denn desto größer <lb/>sein. </p>
                <p>Holstein ist ein schönes und ge<lb break="no"/>segnetes Land und werden die
                    <lb/>Einwohner schon bald erfahren, <lb/>wie schön es ist, Preuße zu <lb/>sein;
                    einstweilen kennen sie <lb/>noch wenig von unsern Steuern <lb/>und Abgaben,
                    werden indessen <lb/>Alles erfahren, wenn sie <unclear reason="illegible" cert="low">welche</unclear>
                    <lb/>geworden sind.<pb n="4"/>
                </p>
                <p>Nächster Tage, wenn wir in unserm <lb/>jetzigen Quartier verbleiben, <lb/>were
                    ich mit meinem Quartier<lb break="no"/>wirth der ein geborener Ham<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>burger und sein Comptour daselbst
                    <lb/>hat nach <placeName key="DO0011">Hamburg</placeName> fahren, um mir
                    <lb/>diese großartige Stadt anzusehen. <lb/>An alle Bekannten und Ver<lb break="no"/>wandten habe ich geschrieben, in<lb break="no"/>dessen noch von
                    Niemand Antwort <lb/>erhalten, als von dir, meinem <lb/>lieben, lieben <unclear reason="illegible" cert="high">Weibchen</unclear>, man <lb/>sieht daraus
                    deutlich, wie die <lb/>Uebrigen sich für mich interessieren. <lb/>An <ref xml:id="ref_d1e330" corresp="note_d1e331">Notar Lauff</ref><note xml:id="note_d1e331" corresp="ref_d1e330" type="editorial">Hierbei
                            könnte es sich um <persName key="DP0011">Peter Lauff</persName>
                            (1820–1901) handeln, der von 1858 bis 1878 in Kalkar als Notar tätig
                            war.</note> geht heute auch ein <lb/>Brief ab, auch wohl der
                    letzte, <lb/>indem ich bei den täglichen Strapa<lb break="no"/>zen nur noch Zeit
                    für dich habe, die <lb/>ich Dir denn auch gänzlich widmen <lb/>will.</p>
				<closer>
					<salute>Herzliche Grüße an Alle, die nach mir <lb/>fragen, insbesondere den herzlichsten
                        <lb/>Gruß und Kuss von deinem <lb/>dich immer treuliebenden
                        <lb/>Gatten</salute>
					<signed>Julius</signed>
				</closer>
            </div>
            <postscript>
                <p>Adresse: Feldpostbrief etc. <lb/>bei der 21ten Kompagnie <lb/>4ten Westph. L. Re
                    (no 17) in Jenfeld bei Wansbeck Holstein</p>
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