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                <title>Julius an Barbara, Stade, 26. Juni 1866</title>
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            <editionStmt><p>Julius und Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
                Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. <ref target="http://julius-und-barbara.de">http://julius-und-barbara.de</ref></p></editionStmt>
            <publicationStmt><publisher><ref target="http://orcid.org/0000-0002-6923-0950">Stefan Dumont</ref></publisher><pubPlace ref="http://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><idno type="URLWeb">http://julius-und-barbara.de/D18660626.html</idno><idno type="URLXML">http://julius-und-barbara.de/D18660626.xml</idno><date when="2025-10-08+02:00"/></publicationStmt>
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                        <institution>Privatbesitz</institution>
                        <idno>keine Signatur vergeben</idno>
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                    <persName key="DP0001">Julius Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0026">Stade</placeName>
                    <date when="1866-06-26"/>
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                    <persName key="DP0002">Barbara Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0007">Bergheimerdorf</placeName>
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                <opener>
                    <dateline>Stade den 26/6 66</dateline>
					<salute>Mein Herzensliebes Bärbchen!</salute>
                </opener>
				<p>Am Montag Morgen sind wir <lb/>von Harburg nach <hi rendition="#aq">Stade</hi>, 4 Stunden
                    <lb/>von der Nordsee, gefahren und <lb/>liegen wir nunmehr am west<lb break="no"/>lichsten Winkel Deutschlands; <lb/>mein von Harburg gesandtes <lb/>Paquet
                    wirst Du hoffentlich er<lb break="no"/>halten haben; zu meiner größten
                    <lb/>Betrübniss erfahre ich von den <lb/>von Hannover herüber gekom<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>menen Kameraden, daß ein <lb/>Brief für
                    mich vorhanden, indessen <lb/>verloren gegangen sei; wahrschein<lb break="no"/>lich ein Brief von meinem herz <lb/>geliebtesten Frauchen, den ich <lb/>mit
                    Schmerzen erwartete; der <lb/>Adjudant hat die Briefe im <lb/>Eisenbahncoupee
                    sortirt und <lb/>ging der für mich bestimte <lb/>verloren, was unverantwortlich
                    <lb/>ist und weshalb ich ihm einige <lb/>Worte gesagt habe, so muss ich
                    <lb/>denn wieder auf den nächstfolgen<pb n="2"/><lb break="no"/>den Brief
                    hoffen, den Du direkt <lb/>hierhin adressiren kannst <lb/>ohne Bezeichnung als
                    Feldpostbrief.</p>
                <p>Von Notar Lauff erhielt ich auch <lb/>gestern einen Brief; Alles ist <lb/>wohl
                    und gesund und beklagt <lb/>sich der Notar, daß seine Frau <lb/>zu corpulent
                    würde und fürchtete <lb/>es mit Zweien zu tun zu haben. <lb/>Frau v. d. Grinten
                    sei auch <lb/>„am Ende“ und solle er für <lb/>mich dich <unclear reason="illegible" cert="high">Pathenstelle</unclear> versehen.</p>
                <p>Wir liegen hier zu 3 Kompagni<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>en und sind
                    sehr stark mit <lb/>Einladen der eroberten Gegen<lb break="no"/>stände
                    beschäftigt, deren Werth <lb/>über 3 1/2 Millionen beträgt; <lb/>wahrscheinlich
                    haben wir damit <lb/>lang zu thun, indem die <lb/>Gegenstände massenhaft
                        vorhan<lb break="no"/>den sind; wenn wir jetzt nur <lb/>wieder hier weg
                    kommen, <lb/>so wird hoffentlich der Friede <lb/>geschlossen sein und Preußen
                    <lb/>die schönen Früchte desselben <lb/>für lange Jahre genießen, <lb/>wir haben
                    dann auch nicht<pb n="3"/>
                    <lb/>unentgeltlich die vielen Milli<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>onen
                    verausgabt und  <lb/>Gut und Blut aufs Spiel ge<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>setzt.</p>
                <p>Im Uebrigen bin ich wohl und <lb/>gesund; die Hitze ist unaus<lb break="no"/>stehlich und bin ich froh, daß <lb/>wir nicht mehr auf dem Mar<lb break="no"/>sche sind und der Ruhe pflegen <lb/>können.</p>
                <p>Wie geht es dir denn bei der <lb/>großen Hitze un ddeinem <lb/>körperlichen
                    Zustande, der sich <lb/>hoffentlich baldigst ändern wird. <lb/>Es ist mir sehr
                    traurig ums  <lb/>Herz, daß ich nunmehr so fern <lb/>von dir bin und gar keine
                        Aus<lb break="no"/>sicht habe, nach Eintritt des Er<lb break="no"/>eignisses
                    zu dir zu eilen; <lb/>von Hannover aus wäre mir <lb/>solches leicht gelungen,
                    jetzt sehe <lb/>ich keine Möglichkeit dazu. <lb/>Ich kann fast nicht mehr
                    schlafen, <lb/>indem ich fortwährend mich mit <lb/>Dir beschäftigen muss und mir
                    <lb/>Alles durch den Kopf geht, was <lb/>Dir nunmehr bevorsteht<supplied cert="high">.</supplied><pb n="4"/>
                    <lb/>Der Allmächtige stärke dich und <lb/>beschütze dich in Allem, was <lb/>da
                    kommen wird; ich lebe  <lb/>in der Freude des baldigen <lb/>Wiedersehens und
                    muss mich da<lb break="no"/>mit begnügen, hoffentlich wird <lb/>Alles für dich
                    zur Hand sein <lb/>und du Alles haben, was dein <lb/>Herz verlangt; lebe streng
                    nach <lb/>den gegebenen Regeln, von <lb/>denen du nicht abweichen <lb/>sollst;
                    es wird dann Alles gut <lb/>vorrübergehen; halte dich <hi rendition="#u">sehr
                        <lb/>lange</hi> oben und hüte dich vor <lb/>Durchzug und Erkältung.</p>
                <p>Gott dem Herrn empfehle ich Dich <lb/>und setze auf ihn mein ganzes
                    <lb/>Vertrauen; hoffentlich verleiht <lb/>er mir die Gnade, dich dem<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>nächst als mein treuliebendes <lb/>Weib
                    mit dem Unterpfand unse<lb break="no"/>rer innigsten Gattenliebe an <lb/>mein
                    Herz zu drücken.</p>
				<closer>
					<salute>Herzliche Grüße an Alle, insbe<lb break="no"/>sondere an dich <lb/>von deinem dich
                        immer treuliebenden <lb/>Gatten</salute>
					<signed>Julius</signed>
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