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                <title>Julius an Barbara, Stade, 29. Juni 1866</title>
            </titleStmt>
            <editionStmt><p>Julius und Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
                Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. <ref target="http://julius-und-barbara.de">http://julius-und-barbara.de</ref></p></editionStmt>
            <publicationStmt><publisher><ref target="http://orcid.org/0000-0002-6923-0950">Stefan Dumont</ref></publisher><pubPlace ref="http://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><idno type="URLWeb">http://julius-und-barbara.de/D18660629.html</idno><idno type="URLXML">http://julius-und-barbara.de/D18660629.xml</idno><date when="2026-06-02+02:00"/></publicationStmt>
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                        <institution>Privatbesitz</institution>
                        <idno>keine Signatur vergeben</idno>
                    </msIdentifier>
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                    <persName key="DP0001">Julius Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0026">Stade</placeName>
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                <correspAction type="received">
                    <persName key="DP0002">Barbara Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0007">Bergheimerdorf</placeName>
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                <change when="2026-03-02" who="dumont">Erste Rohtranskription fertig, noch offene
                    Stellen.</change>
                <change when="2025-10-08" who="dumont">Beginn der Transkription</change>
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                <opener>
                    <dateline>Stade den 19/6 1866</dateline>
					<salute>Mein Herzensliebes Bärbchen!</salute>
                </opener>
				<p>Zunächst muss ich dir mittheilen <lb/>daß ich deine Briefe vom 11ten <lb/>und 13ten Juni
                    endlich erhalten habe, <lb/>dieselben haben wegen der unterbroche<lb break="no"/>nen Postverbindung einen großen <lb/>Kreislauf gmeacht und sind durch
                    <lb/>spätere Briefe also schon beantwortet <lb/>weshalb ich auf deren Inhalt
                    nicht <lb/>weiter zurückkomme; deinen lieben <lb/>Brief vom 17ten Juni habe ich
                    dir <lb/>auch bereits beantwortet und hast du <lb/>nunmehr Kenntniss davon, daß
                    <lb/>ich von Harburg nach Stade gereist <lb/>bin; von hier werden wir sobald
                    nicht <lb/>fortkommen, indem wir mit Einla<lb break="no"/>dung des erbeuteten
                    Materials be<lb break="no"/>schäftigt sind, was uns wohl drei <lb/>Wochen in
                    Anspruch nehmen wird. <lb/>Wer beschreibt mir meine Freude <lb/>als ich gestern
                    Donnerstags Abend dei<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>nen Brief vom 23ten
                        <gap reason="lost" unit="words" quantity="1"/> erhalte, <lb/>der sehr
                    inhaltreich ist und meinem <lb/>Herzen wohlgetan hat, indem ich <lb/>daraus
                    ersehe, daß Du mein <lb/>innigstgeliebte Weib dich noch <lb/>wohl und gesund
                    befindest und <lb/>Muth im Herzen hast für Alles, was<pb n="2"/>
                    <lb/>da kommen wird; Heute Morgen kom<lb break="no"/>me ich um 11 Uhr aus dem
                    Dienst <lb/>derselbe besteht darin, daß ich mit <lb/>circa 50 Mann die
                    erbeuteten <lb/>Sachen verpacken muss, was eine <lb/>sehr langweilige Arbeit
                    ist, die mich <lb/>ausschließlich in Anspruch nimmt; <lb/>nachdem ich mich
                    ausgeruht, will ich <lb/>den Rest des freien Morgens noch <lb/>benutzen, dir
                    deinen großen Brief <lb/>zu beantworten; ich will denselben <lb/>noch einmal
                    lesen, um mein Gedächt<lb break="no"/>niss auf ihn zu richten und den
                    <lb/>Balsam wiederholt einzuschlürfen, der <lb/>indemselben enthalten ist;
                    nachdem <lb/>solches geschehen, will ich bogen<lb break="no"/>weise mit dir
                        durchwandern<supplied cert="high">.</supplied>
                    <lb/>Sei zunächst meinetwegen ohne alle  <lb/>Sorgen, indem ich wohl und gesund
                    <lb/>bis jetzt geblieben und wir ohne  <lb/>alle Gefahr sind; da man jetzt
                        wirk<lb break="no"/>lich im Kampfe begriffen ist, so glaube <lb/>ich daß es
                    nicht mehr lange dauern <lb/>wird, bis daß derselbe beendigt ist. <lb/>Die
                    Landwehr wird dann zuerst ent<lb break="no"/>lassen und kann ich Dich dann nebst
                    <lb/>meinem Erstgeborenen in meine <lb/>Arme nehmen; ich vertraue auf Gott
                    <lb/>den Lenker und Regierer aller mensch<lb break="no"/>lichen Dinge, der Alles
                    zum Bessten<pb n="3"/>
                    <lb/>lenken wird<choice>
                        <sic>,</sic>
                        <corr cert="high">;</corr>
                    </choice> daß ich für die kom<lb break="no"/>menden Tage nicht an deiner
                    <lb/>Seite sein kann, macht mich sehr <lb/>traurig und missvergnügt; das
                    <lb/>Weib verlangt in solchen Augenblicken <lb/>am meisten nach seinem Manne
                    <lb/>und findet ihn ihm und bei ihm <lb/>den bessten Rath. Doch es kann
                    <lb/>nicht sein, ich bin fern von dir <lb/>und muss im Geiste Alles mitdurch<lb break="no"/>leben, was dir nunmehr bevorsteht<supplied cert="high">.</supplied>
                    <lb/>Gott stärke und segne dich in den <lb/>Stunden der Geburt, die nunmehr
                    <lb/>jeden Augenblick eintreten kann, <lb/>vielleicht bei Ankunft meines
                    <lb/>Briefes schon eingetreten ist<supplied cert="high">.</supplied>
                    <lb/>Mein Quartier ist recht gut und <lb/>leben wir in der That sehr fein
                    <lb/>in Feindes Land; Alles Uebrige <lb/>fehlt mir indessen vollständig
                    <lb/>indem ich meine zerstörte Häuslich<lb break="no"/>keit als die Hauptsache
                    erachte, und <lb/>mir damit Alles genommen ist <lb/>du hast Recht, wenn du den
                        Zeitungs<lb break="no"/>nachrichten keinen allzugroßen <lb/>Glauben
                    schenkst; dieselben sind voller <lb/>Lug und Trug, wie die heutige Zeit <lb/>im
                    Allgemeinen; von Stade wirst <lb/>Du sobald nichts Neues hören, indem<pb n="4"/>
                    <lb/>hier reine Bahn gemacht wird; die <lb/>Einwohner sind durch Requisitionen
                    <lb/>und Einquartierung sehr belästigt, <lb/>obgleich sie keine Schuld daran
                    <lb/>sind, einen solchen verstockten <lb/>König zu haben; so eben trifft die
                    <lb/>Nachricht ein, daß die Preußen die  <lb/>Hannoveraner vollständig
                        eingeschlos<lb break="no"/>sen haben; die ganze Stadt ist in <lb/>Aufregung,
                    darunter viele hierselbst <lb/>zurückgelassenen Offiziersfrauen. <lb/>Wer hätte
                    so etwas denken können,  <lb/>daß binnen kurzer Zeit die ganze <lb/>deutsche
                    Kleinstaaterei über Bord ge<lb break="no"/>worfen sein würde; man räumt
                    <lb/>jetzt aber auch mit den <unclear reason="illegible" cert="low">Stänkermegen</unclear>
                    <lb/>gründlich auf; der Kurfürst von Kassel  <lb/>sitzt in Stettin, wohin ihm
                    nächstens  <lb/>auch andere folgen werden, die seines <lb/>Standes sind. </p>
                <p>An <persName key="DP0007">Otto</persName> habe ich einen Brief geschrieben
                    <lb/>indessen noch keine Antwort erhalten, <lb/>wahrscheinlich wird er jetzt
                    schon stark <lb/>in Anspruch genommen sein; <persName key="DP0017">Ber<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>nard</persName> ist nach einem
                    gestern hier <lb/>eingetroffenen Briefe von Kgswinter <lb/>in <unclear reason="illegible" cert="high"><hi rendition="#aq"><placeName key="ed_i2f_qxv_l3c">Calk</placeName></hi></unclear>, also kannst du
                        seinet<lb break="no"/>wegen beruhigt sein. In Königs<lb break="no"/>winter
                    ist Alles wohl und gesund<pb n="5"/>
                    <lb/>und ist man sehr gespannt auf <lb/>Deine Entbindung; <persName key="DP0016">Vater</persName> hält <lb/>sich schon reisefertig; heute habe <lb/>ich ihm
                    auch einen großen Brief <lb/>geschrieben. </p>
                <p>Von <placeName key="DO0008">Calcar</placeName> habe ich auch vorgestern
                    <lb/>einen großen Brief erhalten; un<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>sere
                    Sachen sind noch gut aufgehoben <lb/>und freut man sich sehr darauf
                    <lb/>baldigst von deiner Entbindung <lb/>zu hören; Notar schreibt in komi<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>scher Weise, seine Frau würde so
                    <lb/>fürchterlich rund, daß sie glaubte <lb/>sich mit zweien herumschlagen
                    <lb/>zu müssen; bei v. d. Grinten wer<lb break="no"/>de er meine Stelle
                    vertreten. <lb/>Was deine Entbindung betrifft, <lb/>so lasse ich dieselbe durch
                    die <lb/>Kölnische Zeitung bekannt machen <lb/>um allen Schreibereien entho<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>ben zu sein; ich habe Nichts da<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>gegen, wenn Du privatim <lb/>in Calcar
                    Anzeige machst; jeden<lb break="no"/>falls zunächst bei Notars und<lb break="no"/>den sonstigen Bekannten.</p>
                <p>Es freut mich sehr, daß die von <lb/>Lüneburg gesandte Schachtel nebst <lb/>Brief
                    richtig angekommen sind<pb n="6"/>
                    <lb/>ich wollte es mir nicht nehmen las<lb break="no"/>sen, Euch Allen ein
                    kleines An<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>denken zu senden. <persName key="DP0003">Ohm Anton</persName>
                    <lb/>und die gute <persName key="DP0009">Mutter</persName> werden <lb/>mit
                    Nächsten auch Etwas dauerhaf<lb break="no"/>teres erhalten, indem ich
                        beabsich<lb break="no"/>tige, mir von hier aus auch <placeName key="ed_qch_ltb_l3c"><hi rendition="#aq">Helgo<lb break="no"/>land</hi>
                    </placeName>zu besehen; in 6 Stunden <lb/>bin ich dort und kann Euch <lb/>dann
                    von meiner Seereise er<lb break="no"/>zählen.</p>
                <p>Dein Traum hat mir sehr große <lb/>Freude gemacht; gebe Gott, daß er  <lb/>sich
                    bald erfülle: wenn ich dich dann  <lb/>vor mir habe, so nehme ich dich in
                    <lb/>meine Arme und gebe dir den <lb/>innigsten Kuss der treuesten Gat<lb break="no"/>tenliebe; ich höre und lese so gerne <lb/>Deine Plaudereien und
                    glaube  <lb/>ich deine Stimme zu vernehmen, <lb/>wenn ich deine Worte in die
                    Augen <lb/>nehme, theile mir also nur immer <lb/>Alles mit, was dir <unclear reason="illegible" cert="low">begegnet</unclear>, indem <lb/>Du annehmen
                    darfst, daß ich Alles <lb/>interessant ist, was von meinem <lb/>Bärbchen
                        kommt<supplied cert="high">.</supplied></p>
                <p>Wir sind hier, wenn auch später <lb/>wie andere Länder, mit allem<pb n="7"/>
                    <lb/>Tagesneuigkeiten bekannt; als  <lb/>wir aus Holstein kamen, wären <lb/>wir
                    jedoch von Allem Unwissende <lb/>und haben und erst allmählich wieder
                    <lb/>hineingelebt;</p>
                <p>Ich habe dir bereits in meinem Brie<lb break="no"/>fe von <hi rendition="#aq">Stade</hi> aus mitgetheilt, daß  <lb/>ein Brief für mich, wahrscheinlich
                    <lb/>von dir, verloren gegangen ist; es <lb/>ist dieses wahrscheinlich der
                    Brief, von <lb/>dem du am Schlusse deines letzten <lb/>Briefes <unclear reason="illegible" cert="high">schriebst</unclear>; es ist gut, daß ich
                    <lb/>den großen Brief vom 23ten und <lb/>folgende Tage erhalten habe, der mich
                    <lb/>für Alles entschädigt hat.</p>
                <p>Der von mir von <hi rendition="#aq"><hi rendition="#aq">Harburg</hi></hi>
                        zurückge<lb break="no"/>schickte Paquet hast du erhalten; es <lb/>enthielt
                    Wäsche und mir überflüssige <lb/>Sachen, welche ich in meinem Koffer <lb/>nicht
                    bergen konnte.</p>
                <p>Wenn Du glaubst, es sei mir etwas <lb/>Unangenehmes passirt und desshalb
                    <lb/>wünschst, daß ich sogar mit dir <lb/><unclear reason="illegible" cert="high">leise sei</unclear>, so täuschst du dich gewal<lb break="no"/>tig; wie kannst du so Etwas den<lb break="no"/>ken; bist du denn nicht mein
                    <lb/>Alles, mein innigstgeliebtes Weib, <lb/>dem ich meine ganze Liebe geschenkt
                    <lb/>und ewig schenken werden.<pb n="8"/>
                    <lb/>Lasse also ab von solchen Fragen <lb/>und betrübe mich nicht noch mehr,
                    <lb/>als ich jetzt bin, du musst also  <lb/>so Etwas nicht mehr aufkommen
                    <lb/>lassen, oder bin ich nicht mehr <lb/>Dein dich treuliebender Gatte!
                    <lb/>Zweifle an der Sonne Licht, nur <lb/>an meiner Liebe nicht, mein Herzens
                    <lb/>Liebes Bärbchen.</p>
                <p>Sollte dein Brief vom 23ten aus <lb/>besonderen, freudigen Gründen für <lb/>lange
                    Zeit der letzte gewesen sein <lb/>so bitte ich hiermit <persName key="DP0003">Ohm Anton</persName>
                    <lb/>mir täglich in wenigen Zeilen <lb/>wissen zu lassen, wie es mit <lb/>deiner
                    Gesundheit steht; du kannst <lb/>Dir vorstellen, daß ich mich jetzt <lb/>um so
                    mehr freue, täglich Nachricht <lb/>zu erhalten; bezeichne die Briefe
                    <lb/>Feldpostbriefe: <hi rendition="#aq"><unclear reason="illegible" cert="low">etc.</unclear> Stade <lb/>per Altona</hi>, wo die Feldpost
                    <lb/>etablirt ist.</p>
				<closer>
                    <salute>Mit dem innigsten Wunsche, daß <lb/>Gott dir Kraft und Stärke für
                        <lb/>Alles Kommende verleihen möge <lb/>verbleibe ich, nebst herzlichensten
                        Grüßen <lb/>an Vater, Mutter &amp; Ohm Anton <lb/>mit besonderem Gruß &amp;
                        Kuss der <lb/>treuesten Gattenliebe <lb/>Dein dich treuliebender Gatte
                        Julius </salute>
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