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                <title>Julius an Barbara, Frankfurt am Main, 20. Juli 1866</title>
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            <editionStmt><p>Julius und Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
                Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. <ref target="http://julius-und-barbara.de">http://julius-und-barbara.de</ref></p></editionStmt>
            <publicationStmt><publisher><ref target="http://orcid.org/0000-0002-6923-0950">Stefan Dumont</ref></publisher><pubPlace ref="http://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><idno type="URLWeb">http://julius-und-barbara.de/D18660720.html</idno><idno type="URLXML">http://julius-und-barbara.de/D18660720.xml</idno><date when="2025-10-08+02:00"/></publicationStmt>
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                        <institution>Privatbesitz</institution>
                        <idno>keine Signatur vergeben</idno>
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                    <persName key="DP0001">Julius Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0003">Frankfurt am Main</placeName>
                    <date when="1866-07-20"/>
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                <correspAction type="received">
                    <persName key="DP0002">Barbara Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0007">Bergheimerdorf</placeName>
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                    <dateline>Frankfurt a/Main <lb/>20/7 1866</dateline>
					<salute>Mein herzensliebes Bärbchen!</salute>
                </opener>
				<p>Heute Morgen habe ich für dich einen <lb/>Brief auf die Post gethan, den ich <lb/>dir gestern
                    Abend geschrieben hatte; <lb/>derselbe ist hoffentlich in deinem <lb/>Besitz;
                    heute Nachmittag drängt es <lb/>mich schon wieder, mich mit dir <lb/>zu
                    unterhalten, indem ich inder <lb/>That nichts Besseres zu thun weiß.</p>
                <p>Auf meinem Sparziergange habe <lb/>ich dir beifolgendes Bildchen ge<lb break="no"/>kauft; wenn du nun auch noch nicht <lb/>ganz so weit bist, wie jene auf dem
                    <lb/>Bilde dargestellte Mutter, so bist <lb/>Du doch auf dem Wege dazu, indem
                    <lb/>du hoffentlich nunmehr an der Seite <lb/>unseres Erstgeborenen liegst.
                    <lb/>Was gäbe ich wohl, wenn ich augen<lb break="no"/>blicklich wüsste, ob meine
                        Ver<lb break="no"/>muthunen in Wahrheit beruhen; <lb/>ich weiß indessen bis
                    jetzt Nichts <lb/>und muss also meinen schönen <lb/>Traum weiter träumen: gebe
                    Gott <lb/>daß es sich verwirklicht haben <lb/>möchte und durch einen, morgen<pb n="2"/>
                    <lb/>einlaufenden Brief Bestätigung <lb/>finden möchte.</p>
                <p>Ueber unser Verweilen hierselbst <lb/>ist noch gar nichts bestimmt; es
                    <lb/>verlautet, daß wir als Besatzung <lb/>hierselbst verbleiben; heute Abend
                    <lb/>soll der Befehl bekannt gemacht <lb/>werden; in <placeName key="DO0027">Mainz</placeName> sind noch Bundes<lb break="no"/>truppen; die übrigen
                    Bundestruppler <lb/>sind schon weit weg von hier und <lb/>scheinen genug zu
                    haben; unsere <lb/>Truppen stehen heute in Darm<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>stadt und werden dann auch sehr <lb/>bald in Karlsruhe sein; von
                    dort <lb/>geht es nach Stuttgart und Mün<lb break="no"/>chen und ist dann der
                    ganze <lb/>Stall ausgefegt; die Entscheidung <lb/><unclear reason="illegible" cert="high">beruht</unclear> in Böhmen respektive <lb/>nunmehr in Wien, wo
                    unsere <lb/>braven Truppen nunmehr ange<lb break="no"/>langt sein werden,
                    hoffentlich <lb/>wird es dort zum Frieden kom<lb break="no"/>men oder aber noch
                    eine sehr blu<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>tige Schlacht gehauen werden,
                    <lb/>wodurch dann Oesterich vollständig <lb/>zur Besinnung kommen wird;
                    <lb/>Preußen wird nicht eher ruhen<pb n="3"/>
                    <lb/>als bis ihm solches gelungen ist <lb/>um Oesterich seine wohlverdien<lb break="no"/>te Strafe ausgetheilt zu haben. </p>
                <p>Für heute schließe ich meinen <lb/>Brief mit dem Wunsche, daß <lb/>mich der
                    morgige Tag aus <lb/>meinen langen Träumen befrei<lb break="no"/>en möge und ich
                    einen Brief <lb/>über dich oder von dir erhalte.</p>
				<closer>
					<salute>Viele herzliche Grüße an Alle, <lb/>insbesondere aber an dich den <lb/>herzlichsten
                        Gruß und innigsten <lb/>Kuss der Gattenliebe <lb/>von deinem dich
                        treuliebenden</salute>
					<signed>Julius</signed>
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