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                <title>Julius an Barbara, Frankfurt am Main, 24. Juli 1866</title>
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            <editionStmt><p>Julius und Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
                Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. <ref target="http://julius-und-barbara.de">http://julius-und-barbara.de</ref></p></editionStmt>
            <publicationStmt><publisher><ref target="http://orcid.org/0000-0002-6923-0950">Stefan Dumont</ref></publisher><pubPlace ref="http://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><idno type="URLWeb">http://julius-und-barbara.de/D18660724.html</idno><idno type="URLXML">http://julius-und-barbara.de/D18660724.xml</idno><date when="2025-10-08+02:00"/></publicationStmt>
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                <msDesc rend="manuscript">
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                        <institution>Privatbesitz</institution>
                        <idno>keine Signatur vergeben</idno>
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                    <persName key="DP0001">Julius Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0003">Frankfurt am Main</placeName>
                    <date when="1866-07-24"/>
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                <correspAction type="received">
                    <persName key="DP0002">Barbara Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0007">Bergheimerdorf</placeName>
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                <opener>
                    <dateline>Frankfurt a/Main <lb/>25/7 1866</dateline>
					<salute>Mein herzensliebes Bärbchen!</salute>
                </opener>
				<p>Zu meiner größten Freude erhielt <lb/>ich gestern Abend <ref target="D18660719c.xml">deinen lieben <lb/>Brief vom 19ten
                    Juli</ref>, aus welchem ich <lb/>ersehe, daß du noch immer mein <lb/>flottes
                    Bärbelchen bist und dich von <lb/>deiner Last noch immer nicht getrennt
                    <lb/>hast; ich war wieder sehr erstaunt <lb/>als ich das Couvert von deiner Hand
                    <lb/>geschrieben sah; thut nichts, halten wir <lb/>bis um ende aus, einmal muss
                    <lb/>es doch kimmen und werden wir <lb/>dann noch immer Freude genug haben;
                    <lb/>wie es scheint, haben wir uns gewaltig <lb/>verrechnet, indessen ist es
                    besser, zu <lb/>spät, als zu früh niederzukommen; <lb/>jedenfalls ist das
                    Kindchen dann mehr <lb/>lebensfähig.</p>
                <p>Es freut mich sehr, daß du noch fort<lb break="no"/>während so gesund und munter
                    bist <lb/>und die Schwangerschaft einen so schö<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>nen Verlauf hat; vertrauen wir <lb/>auf Gott, den Allmächtigen,
                    daß Alles <lb/>glücklich zu Ende führen wird. <pb n="2"/>
                    <lb/>Wie du siehst bin ich noch immer <lb/>in Frkfurt a/Main und in meinem
                    <lb/>Quartier bei Herrn <persName key="DP0014">Baron von Erlanger</persName>
                    <lb/>fürstlich aufgehoben; die Familie hat <lb/>die anfängliche Steifheit
                    gänzlich abge<lb break="no"/>streift und fängt an gemüthlich zu <lb/>werden; in
                    meinen gestern an Mutter <lb/>abgesendten Briefe habe ich das Nähere
                    <lb/>darüber mitgetheilt.</p>
                <p>Unterm 21ten Juli ist ein <ref xml:id="ref_d1e169" corresp="note_d1e177">5tägiger Waf<lb break="no"/>fenstillstand mit Oestreich abgeschlossen <lb/>und sollen die
                            Friedenspraeliminarien <lb/>schon unterzeichnet sein</ref><note xml:id="note_d1e177" corresp="ref_d1e169" type="editorial">Ab dem 22. Juli, 12 Uhr galt eine Waffenruhe,
                            während in Nikolsburg über einen Vorfrieden verhandelt wurde. Dieser
                            wurde allerdings erst am 26. Juli unterzeichnet. </note>; unser
                        Quartir<lb break="no"/>wirth theilte uns mit, daß eine Depesche <lb/>aus
                    Paris angekommen sei, wonach <lb/>an der dortigen Börse Aehnliches angeschla<lb break="no"/>gen gewesen; wir leben hier in einer <lb/>Mausefalle und hören
                    nichts von dem <lb/>jenigen, was draußen geschieht; <ref xml:id="ref_d1e194" corresp="note_d1e200">sollte <lb/>nun der Waffenstillstand auch die <lb/>süddeutschen
                            Staaten begreifen</ref><note xml:id="note_d1e200" corresp="ref_d1e194" type="editorial">Die Waffenruhe wie
                            auch der Vorfrieden betraf unmittelbar nur Österreich, der Krieg mit den
                            süddeutschen Staaten dauerte bis zum Waffenstillstand am 1. August 1866
                            an.</note>, so zweifle <lb/>ich nicht mehr daran, daß der Friede
                    <lb/>ein allgemeiner sein wird, einstwei<lb break="no"/>len ist noch keine
                    Gefahr hier vorhanden; <lb/><placeName key="DO0027">Mainz</placeName> ist noch
                    von einem Theile der  <lb/>Bundestruppen besetzt, was indessen nicht <lb/>viel
                    zu bedeuten hat, da die Besatzung <lb/>keine sehr große Lust zum Kampfe<pb n="3"/>
                    <lb/>hat; die bairische Armee ist direngege <lb/>selbständige Masse und gegen
                    diese <lb/>ist unsere Hauptmacht <unclear reason="illegible" cert="low">imstiden</unclear>
                    <lb/>nunmehr marschirt; ob nun Baiern <lb/>angesichts des Friedens mit Oestreich
                    sich <lb/>auch zur Ruhe begibt, wird sich in <lb/>diesen Tagen entwickeln.  </p>
                <p>Sei also einstweilen ohne Besorgniss <lb/>und rege dich nicht auf: Gott hat
                    <lb/>mich bis jetzt beschützt und wird <lb/>mich auch ferner dir erhalten.
                    <lb/>Beifolgend das sehr gelungene Bild<lb break="no"/>niss meines
                    Kompagnieführers <lb/>Premierlieutenant <persName key="ed_cky_tbh_sgc">Keller</persName>, Bürger<lb break="no"/>meister von Duisburg; derselbe
                    <lb/>lässt dich grüßen und bittet wieder<lb break="no"/>holt um baldige
                    Erledigung des Re<lb break="no"/>kruten.</p>
                <p>Von hier habe ich dir meinen Brief <lb/>mit einem Bildchen abgeschickt, den
                    <lb/>du wohl erhalten haben wirst; <lb/>von Gießen sandte ich am 19ten d. M.
                    <lb/>ein kleines Paquet, gez. B. D. Berg<lb break="no"/>heim, Rheinprovinz;
                    dasselbe wird <lb/>hoffentlich nunmehr angekommen <lb/>sein; andernfalls wolle
                    Ohm Anton <lb/>auf die Post gehen, die Signatur <lb/>angeben und dann einen
                        Laufzettel<pb n="4"/>
                    <lb/>nach Gießen abgehen lassen. <lb/>Dein unterm 14ten nach Stadte addressir<lb break="no"/>ter Brief ist mir bis jetzt nicht zuge<lb break="no"/>gangen;
                    gestern haben wir überhaupt <lb/>wieder die ersten Briefe erhalten, <lb/>indem
                    dieselben alle eine Kreuz und <lb/>Quere Reise angetreten hatten.</p>
                <p>An <unclear reason="illegible" cert="high">Beaco</unclear> werde ich keine Miethe
                    <lb/>bezahlen, sondern abwarten, bis ich dort <lb/>hin zurpckkehre.</p>
				<closer>
					<salute>Viele herzliche Grüße an Vater, Mutter <lb/>Ohm Anton, insbesondere tausend <lb/>Grüße
                        und Küsse von <lb/>Deinem dich immer treuliebenden <lb/>Gatten</salute>
					<signed>Julius</signed>
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