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                <title>Julius an Barbara, Hannover, 1. September 1866</title>
            </titleStmt>
            <editionStmt><p>Julius und Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
                Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. <ref target="http://julius-und-barbara.de">http://julius-und-barbara.de</ref></p></editionStmt>
            <publicationStmt><publisher><ref target="http://orcid.org/0000-0002-6923-0950">Stefan Dumont</ref></publisher><pubPlace ref="http://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><idno type="URLWeb">http://julius-und-barbara.de/D18660901.html</idno><idno type="URLXML">http://julius-und-barbara.de/D18660901.xml</idno><date when="2025-10-08+02:00"/></publicationStmt>
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                <msDesc rend="manuscript">
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                        <institution>Privatbesitz</institution>
                        <idno>keine Signatur vergeben</idno>
                    </msIdentifier>
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                    <persName key="DP0001">Julius Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0013">Hannover</placeName>
                    <date when="1866-09-01"/>
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                    <persName key="DP0002">Barbara Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0007">Bergheimerdorf</placeName>
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                <opener>
                    <dateline>Hannover 1/9 1866</dateline>
					<salute>Mein herzensliebes Bärbchen!</salute>
                </opener>
				<p>Wenn mein letzter Brief, wie ich aus deinem <lb/>am Freitag hier eingetroffenen Briefe
                    ersehe, <lb/>deine süßen Hoffnungen auf baldiges <lb/>Wiedersehen in Etwa
                    erschüttert hat, <lb/>so hoffe ich nunmehr mit Bestimmtheit <lb/>daß der hier
                    folgende Brief dich in Etwa <lb/>beleben wird; ich will dir nämlich zu<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>nächst mittheilen, daß am 5ten September
                    <lb/>hierselbst die ersten Truppen eintreffen <lb/>welche für hier zur Garnison
                    bestimmt <lb/>sind; wir vermuthen nun alle, und <lb/>gewiss mit Recht, daß wir
                    entweder noch <lb/>vor dem 9ten September, jedenfalls längstens <lb/>Ende der
                    kommenden Woche zu Hause <lb/>sind; du kannst dir leicht vorstellen <lb/>wie ich
                    schleunigst von Wesel nach <placeName key="DO0008">Cal<lb break="no"/>car</placeName> und von dort wieder nach <placeName key="DO0007">Berg<lb break="no"/>heim</placeName> eilen werde, um dich und mein <lb/>Kind in
                    meine Arme zu nehmen; <lb/>ich verlange sehr mit meinen Kamera<lb break="no"/>den danach, von hier fort zu kommen, <lb/>indem es uns Allen sehr langweilig
                    <lb/>hier ist; alle Häuslichkeit ist verloren <lb/>und wirst du Mühe haben, mich
                    wieder <lb/>in bestimmte Grenzen zu bringen;<pb n="2"/>
                    <lb/>Schneide dir bei Zeiten einen tüchtigen <lb/>Steck und schlage zu, wenn der
                        heimkeh<lb break="no"/>rende Krieger nicht folgen will; damit <lb/>du nun
                    für alle Zeiten ein Bild von  <lb/>dem Ende der Feldzüge hast, übersende
                    <lb/>ich dir angelegen meine schließliche  <lb/>Photographie; du wirst sagen
                    „Schon wieder <lb/>mal photographiert, hätte das Geld auch besser <lb/>verwenden
                    können“, es nicht meine <lb/>Schuld; der Obrist sollte ein Photographiealbum
                    <lb/>erhalten von sämmtlichen Offizieren; bei <lb/>dieser Gelegenheit sollten
                    sich die Offiziere <lb/>ihre Photographien austauschen, ich musste <lb/>theil
                    nehmen und so schwächte ich meinen  <lb/>Geldbeutel um 3 Thl 20gr – ist das
                    nicht <lb/>bitter; so findet man fortwährend Gelegen<lb break="no"/>heit seine
                    Thalerchens los zu werden.</p>
                <p>Worauf ich mich sehr freue, ist die <lb/>Verwirklichung meines Wunsches, am
                    <lb/>9ten Septemb. dem Tage unserer ehelichen <lb/>Verbindung bei dir sein zu
                    können; <lb/>wahrscheinlich mußt du wieder ängstlich <lb/>vor mir sein und dich,
                    wie im vorigen <lb/>Jahre, geniren! Richte es so ein, daß wir <lb/>im
                    Hochzeitslokale essen und uns dieses <lb/>schönen Tages erinnern können; ich
                    <lb/>träume schon jetzt davon; wir machen <lb/>dann auch ein Pfirsichbölchen und
                    wollen <lb/>anstoßen auf die Freude des Wiedersehens.<pb n="3"/>
                    <lb/>Der liebe Gott hat mich da bis jetzt gesund <lb/>und wohl erhalten und wird
                    mir das <lb/>Glück und die Freude vergönnen, auch <lb/>gesund und wohl indie
                    Heimath <lb/>einziehen zu können; ich habe die <lb/>Freude, Vater geworden zu
                    sein, bis <lb/>jetzt nur oberflächlich empfunden; ich werde <lb/>dieselbe erst
                    recht genießen, wenn ich mit <lb/>Dir und unserm <rs type="person" key="DP0004">Erstgeborenen</rs> zusammen <lb/>bin. Es freut mich sehr, daß du
                    wieder <lb/>eim alten Geleise bist und das Glück <lb/>Mutter geworden zu sein,
                    nunmehr recht <lb/>empfinden kannst; deine Beschreibung <lb/>über unsern kleinen
                    hat mich so gerührt <lb/>daß ich weinen musste, jedoch nur dess<lb break="no"/>halb, weil ich mir bis nur von ihm hebae <lb/>erzählen lassen und ihn nicht
                    habe von Ange<lb break="no"/>sicht zu Angesich schauen können.</p>
                <p>Hoffentlich fährst Du in der Lektion des <lb/>Amman/Ammon fort, was ich dir nur
                    empfehlen <lb/>kann, indem darin sehr gute Winke <lb/>gegeben sind.</p>
                <p>Was unsere Uebersiedlung nach Calcar <lb/>betrifft, so bin ich der Ansicht, daß
                    <lb/>wir nach beendigter Bergheimer-Kirmes <lb/>dorthin reisen; bis dahin will
                    ich dir <lb/>und mir einige Freuden erlauben <lb/>und mich von dem
                    unregelmäßigen Leben <lb/>erholen; du sollst mir während dieser<pb n="4"/>
                    <lb/>Zeit den Kopf wieder zurecht setzen <lb/>und ziehen wir dann frohen Muthes
                    <lb/>wieder in unsere Häuslichkeit ein; <lb/>mit welcher Kraft und Ausdauer
                    wollen <lb/>wir dann wieder gemeinschaftlich ar<lb break="no"/>beiten und uns
                    erfreuen der Gegen<lb break="no"/>wart.</p>
                <p>An Dr. Iltgen habe ich heute Gratulations<lb break="no"/>schreiben abgehen
                    lassen; also ein Knabe <lb/>zu dem Mädchen, ein nettes Pärchen <lb/>bei uns
                    umegekehrt ein Knabe, worauf <lb/>dann villeicht ein Mädchen folgen <lb/>könnte;
                    wegen der Verrechnung habe <lb/>ich Iltgen auch eine <unclear reason="illegible" cert="low">Nase</unclear> gegeben. <lb/>Meine Wesche geht stark aueinander
                    <lb/>und ist es hohe Zeit, daß die Hausfrau <lb/>solche revidirt; auch meine
                    Stiefel sind <lb/>defekt geworden, nachdem sie die deutschen <lb/>Bundesstaaten
                    2mal abgelaufen haben; <lb/>wird schon Alles wieder in Reihe komen.</p>
				<closer>
					<salute>Vater Mutter &amp; Ohm Anton sind wohl <lb/>und werden hiermit herzlich von mi rge<lb break="no"/>grüßt; insbesondere aber an Dich den <lb/>herzlichsten Gruß
                        und innigsten Kuss <lb/>von deinem dich treuliebenden </salute>
					<signed>Julius</signed>
				</closer>
            </div>
            <postscript>
                <p>Den Tag meiner Ankunft werde ich jedenfalls <lb/>mittheilen; ich treffe Abends
                    mit der Post ein.</p>
            </postscript>
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