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                <title>Julius an Barbara, Harburg, 21. Juni 1866</title>
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            <editionStmt><p>Julius und Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
                Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. <ref target="http://julius-und-barbara.de">http://julius-und-barbara.de</ref></p></editionStmt>
            <publicationStmt><publisher><ref target="http://orcid.org/0000-0002-6923-0950">Stefan Dumont</ref></publisher><pubPlace ref="http://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><idno type="URLWeb">http://julius-und-barbara.de/D18669621b.html</idno><idno type="URLXML">http://julius-und-barbara.de/D18669621b.xml</idno><date when="2025-10-08+02:00"/></publicationStmt>
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                <msDesc rend="manuscript">
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                        <institution>Privatbesitz</institution>
                        <idno>keine Signatur vergeben</idno>
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                    <persName key="DP0001">Julius Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0017">Harburg</placeName>
                    <date when="1866-06-21"/>
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                <correspAction type="received">
                    <persName key="DP0002">Barbara Dumont</persName>
                    <placeName key="DO0007">Bergheimerdorf</placeName>
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                    <dateline>Harburg, den 21/6 66</dateline>
					<salute>Mein Herzensliebes Bärbchen!</salute>
                </opener>
				<p>Nach langem Hoffen und Harren <lb/>habe ich endlich heute Morgen <lb/>einen Brief von Dir
                    erhalten, <lb/>woraus ich mit Freuden entneh<lb break="no"/>me, daß Du noch wohl
                    und gesund <lb/>bist; hoffentlich ist das von Lüne<lb break="no"/>burg dir
                    gesandte Kästchen auch  <lb/>bei dir angelangt und hast Du  <lb/>entnommen, daß
                    ich noch wohl und  <lb/>gesund bin; in Lüneburg war ich  <lb/>sehr gut
                    aufgehoben und glaubten <lb/>wir dort zu bleiben; gestern Morgen  <lb/>wurde
                    indessen plötzlich General<lb break="no"/>marsch geschlagen und 12 fuhren
                    <lb/>wir per Eisenbahn nach Harburg <lb/>zurück; 2 Kompagnien gingen nach
                    <lb/>dem erorberten Stade und 2 Kompag<lb break="no"/>nien blieben hier, wozu
                    ich auch <lb/>gehöre: hoffentlich werden wir nun<lb break="no"/>mehr einige Ruhe
                    haben, indem wir <lb/>als Besatzung in Harburg bleiben <lb/>was mir sehr
                    angenehm ist. Ich habe <lb/>mit meinem Hauptmann ein fürst<lb break="no"/>liches
                    Quartier bei einem Kaufmann <lb/>der Millionair ist; allmählich kom<lb break="no"/>men wir wieder auf den Menschen <lb/>zurück und haben
                    hoffentlich die in<pb n="2"/>
                    <lb/>der That großartigen Strapazen <lb/>hinter uns.</p>
                <p>Sei also meinetwegen ohne Sorgen <lb/>einstweilen ist keine Gefahr vor<lb break="no"/>handen; es kann nicht mehr lange  <lb/>dauern und der Friede
                    kehrt zurück. <lb/>Lasse sofort das Paquet für mich <lb/>nach Harburg abgehen
                    und zwar <lb/><hi rendition="#aq">poste restante Harburg</hi> unter
                    <lb/>gewöhnlicher Adresse; es ist auffallend <lb/>daß die Bergheimer Post keine
                    Paquete <lb/>annehmen will; täglich erhalten mei<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>ne Kameraden Paquete aus der Hei<g ref="#typoHyphen"/><lb break="no"/>math, also werden doch Paquete beför<lb break="no"/>dert; ich
                    bin wegen des Ausbleibens <lb/>der Wäsche in Verlegenheit gewesen, <lb/>jedoch
                    jetzt wieder in Ordnung. <lb/>Hoffentlich wird mich das Paquet hier <lb/>selbst
                    erreichen.</p>
                <p>Von Kgswinter habe ich noch gar keinen <lb/>Brief erhalten und werde ich also
                    auch <lb/>keine mehr dahin abgehen lassen;  <lb/>Du kannst dir nicht vorstellen,
                    <lb/>wie angenehm es ist, wenn man <lb/>von den Seinigen Nachrichten erhält
                    <lb/>wenn man sich geistig mit denjeni<lb break="no"/>gen in Verbindung hält,
                    bei denen <lb/>man körperlich nicht sein kann. <lb/>Nach deinem Briefe von
                    heute, dem <lb/>ihr alle Theile beigefügt habt, sind <lb/>also 2 Briefe für mich
                    gar nicht an<pb n="3"/>
                    <lb/>gekommen und wird mir also <lb/>dein langes Stillschweigen
                    <lb/>erklärlich; die Brife laufen <lb/>als Feldpostbriefe länger, als
                    <lb/>gewöhnliche Briefe und treffen <lb/>nur langsam ein, so daß es <lb/>leicht
                    möglich ist, daß die noch <lb/>fehlenden noch kommen. </p>
                <p>Ich werde dir von Harburg aus <lb/>nunmehr täglich mit gewöhnlicher <lb/>Post
                    schreiben, damit du erfährst <lb/>wo ich bin; da deine Entbindung
                    <lb/>bevorsteht, so bitte ich dich nach <lb/>Eintritt derselben ein Benach<lb break="no"/>richtigung per Telegraph von <placeName key="DO0028">Horrem</placeName>
                    <lb/>aus, wohin sofort ein Bote ab<lb break="no"/>gehen soll; telegraphire: Es
                    ist <lb/>dir ein ... geboren <lb/>unter Adresse: Sekondelieutenant <lb/>Dumont
                    4tes Westph. L. R. Nr. 17 <lb/>Harburg Schlosstraße Nr. 3. <lb/>Du kannst dir
                    vorstellen, wie <lb/>ich von jetzt ab auf diese Nachricht <lb/>lauern werde.</p>
                <p>Sollten wir von hier ausmarschieren <lb/>so telegraphire ich vorher zu dir
                    <lb/>Halte dich tapfer und muthig, wie <lb/>bisher, Gott wird uns Alle
                    beschützen <lb/>und uns hoffentlich baldigst wieder <lb/>vereinigen; heute sind
                    es 4 Wochen,<pb n="4"/>
                    <lb/>daß ich dich verlassen musste; ich <lb/>glaube, daß es schon ein halbes
                    Jahr <lb/>her ist und wenn ich über die ver<lb break="no"/>gangenen Tage
                    nachddenke, so danke <lb/>ich Gott, daß er mich bis jetzt gesund <lb/>und wohl
                    erhalten hat; im Uebri<lb break="no"/>gen theile ich mit tausend Andern
                    <lb/>dasselbe Schicksal und tröste ich <lb/>mich, damit, daß es Andern noch
                    <lb/>Schlimmer ergeht.</p>
                <p>Meine finanziellen Bedürfnisse <lb/>reduziren sich auf ein minimum <lb/>und habe
                    ich bis jetzt spärliche Aus<lb break="no"/>gaben gehabt; am 1ten erhalten
                    <lb/>wir neues Gehalt und liegen wir <lb/>in Feindes Land mit Verpflegung.</p>
				<closer>
					<salute>Viele herzliche Grüße an Euch <lb/>Alle, insbesondere herzlichsten <lb/>Gruß und
                        innigsten Kuss der <lb/>Liebe von deinem dich immer <lb/>treuliebenden
                        Gatten</salute>
					<signed>Julius</signed>
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