Metadaten
Absender:in Julius Dumont
Barbara Dumont
Schreibort Kalkar
Datum Samstag, 19.05.1866
Empfänger:in Franz Clemens Mansteden
Anna Maria Mansteden
Empfangsort Bergheimerdorf
Archiv Privatbesitz
Status

In Bearbeitung


Julius an seine Schwiegeltern (mit Postskripta von Barbara und Ohm Anton), Kalkar, 19. Mai 1866

Liebe Schwiegereltern!

Soeben haben wir Euren lieben Brief erhalten und beeile ich mich, Euch denselben umgehend zu beantworten, machen wir eben unser Abendbrot, bestehend aus dem uns gesandten köstlichen Salat, eingenommen haben.

Zunächst unsern innigsten Dank für die Einlage, womit Ihr uns in elterlicher Liebe zu Hülfe gekommen seid.

Bärbchen und ich sind sehr gefasst und zweifle ich nicht daran, daß am letzten ende Alles gut gehen wird. Am Pfingstmontag reise ich von hier nach Wesel und werde ich von dort baldigst Nachricht geben, hoffentlich am nächsten Sonntag selbst bei Euch sein; die Reise meines lieben Bärbchen wird hoffentlich gut von Statten gehen und kann ich denn desto ruhiger draußen sein (?). Ohm Anton und Bärbchen reisen am Mittwoch hier ab und treffen mittags 1 Uhr mit Gretchen in Coeln ein, gehen von dort nach Deckers, von wo sie mit Wagen direkt nach Bergheim kommen, was ich für das Beste halte, ich habe unsern Hochzeitskutscher bereits2| bestellt und wird die Reise auf diese Weise besser vonstatten gehen, als wenn Bärbchen indem folgereichen (?) Postwegen fahren muss. Solltest Du liebe Mutter, nicht absolut nöthig haben nach Coeln zu kommen, so bleibe ruhig zu Hause, was an den Tagen der Aufregung besser sein wird. Wegen des Geldes bei der Concordia bin ich ganz Deiner Meinung, wonach dasselbe in Sparkasse wandern soll, namentlich, da der Prozentsatz derselbe ist.Ich habe mit Notar wegen meiner Stelle gesprochen; dieselbe bleibt mir erhalten; hoffentlich kann ich hier baldigst wieder antreten.

Mit dem Einpacken sind wir bereits fertig und haben wir Alles bestens besorgt, so daß Ihr also ruhig sein könnt; ich habe für 2 300 Thaler versichert, die Nachtswache gegenüber und Nachtswächter ist einer unser Zeugen, den ich instruiren werde; unsere Putzfrau wird das Lüften der Zimmer besorgen und Frau Notar wird auch ein wachsames Auge halten. Ohm Anton gefällt es hier sehr gut und hat er bereits die ganze Umgegend besucht; gestern war er in Xanten wohin er die Peripherie beschrieben hat.

3| Für meinen lieben Schwiegerpapa habe ich die Mobilmachungspfeife angelegt, die ich ihm nach beendigtem Waffengeklirr aushändigen werde

Sind doch dieses Jahr traurige Pfingsten und dar man sich keum getrauen, Jemand fröhliche Feiertage anzuwünschen. Gott wolt (?) Alles zum besten.

Otto liegt in Rodenkirchen bei Coeln und wird von dort aus der Batterie nach Coblenz marschieren.

Lebet wohl, liebe Schwiegereltern und seid herzlich gegrüßt und geküsst von uns Allen insbesondere von Eurem Euch liebenden Schwiegersohn

Julius

Ich habe mich in etwa mit dem traurigen Gedanken, das unsere ganze Häuslichkeit zerstört, vertraut gemacht lieber Vater u Mutter, es ist ja nicht möglich etwas gegen das Unvermeidliche einzuwenden; ich werde demnächst wieder zu Euch zurück4| kommen mit der Hoffnung jedoch, recht bald wieder in unserer Häuslichkeit zurückkehren zu können. Den Kasten braucht Ihr nicht zu schicken, ich werde in zwei Körbe sowohl die Kindersachen wie auch meine eigenen packen. Lebt wohl bis zur nächsten Woche und seid bis dahin herzlch gegrüßt und geküßt von Eurem Euch liebenden Bärbchen.

Wir sind noch Alle gesund und wohl. Herzliche Grüße von Eurem Bruder A. Richter

Zitierempfehlung

Julius an seine Schwiegeltern (mit Postskripta von Barbara und Ohm Anton), Kalkar, 19. Mai 1866. In: Julius & Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. URL: http://julius-und-barbara.de/D18660519.html [Datum des Zugriffs]