Metadaten
Absender:in Julius Dumont
Schreibort Frankfurt am Main
Datum Mittwoch, 25.07.1866
Empfänger:in Barbara Dumont
Empfangsort Bergheimerdorf
Archiv Privatbesitz
Status

In Bearbeitung


Julius an Barbara, Frankfurt am Main, 25. Juli 1866

Mein herzenliebes Bärbchen!

Da ich nunmehr auch deinen Brief vom 14/7 erhalten habe, so ist es wieder an mir, Antwort zu schreiben; was ich immer sehr gerne thue, da ich dann auch mit Dir plaudern kann.

Wisse denn zunächst, daß ich noch immer wohl und gesund und in meinem alten Quartiere bei Herrn Baron v. Erlanger mit meinem Kompagnieführer, dessen Bild nebst Brief von mir hoffentlich indeinem Besitze ist, fürstlich aufgehoben bin; gestern Dinstag sollten die Quartiere gewechselt werden, man hat uns aber behalten und leben wir jetzt en famille. Stelle dir einen aegyptischen Pascha vor, so hast Du mein hiesiges Leben – mit Ausnahme des militairischen Theiles; wie es scheint bleiben wir in Frkfrt Frankfurt , wenn nach dem Ablauf des Waffenstillstandes der Friede zu Stande kommt,2| was hoffentlich auch mit den Südstaaten gelingen wird.

Otto hat mir gestern aus Böhmen einen großen Brief geschrieben den ich beifüge, damit du entnehmen kannst, wie es ihm geht und was er erlebt hat; seit seinem Briefe sind große Dinge passirt und ist derselbe daher zu ergänzen.

Wie steht es denn im Uebrigen mein herzensliebes Bärbchen; ist das kleine dümontchen (?) noch nicht angekommen; das Kerlchen lässt lange auf sich warten und kommt gewiss mit Sporen und Stiefeln zur Welt; ich bin in banger Erwartung und habe nicht sehr Ruhe, bis ich den betreffenden Brief erhalten habe, lasse denselben nicht als Feldpostbrief sondern einfach unter Adresse: Herrn J. Dumont, bei Herrn Baron v. Erlanger Bockenheimeranlage (Nr. 6) in Fkfrt a/m. abgehen, solange ich dir nicht mittheile, daß wir von hier abmarschirt sind.

Ohm Anton soll sich von dem Teppich einen Läufer für sein Zimmer3| nehmen, worüber ich bereits früher geschrieben habe; die übrigen Sachen magst du aufheben bis zu meiner hoffentlich bald bevorstehenden Rückkehr.

Von Kgswinter und Auguste habe ich ebenfalls Briefe erhalten; Bernard ist mit dem Ersatzbataillon 69 Reg. nach Hessen-Cassel gefahren und befindet sich wahrscheinlich jetzt schon in Baiern, wohin sich eine ungeheure Truppenmasse c'anonntrirt (?); es wird also Alles unter Waffen gerufen und werden Civilärzte mit Nächstem zur Seltenheit gehören.

Wir haben sehr schönes Wetter und wird man bei Euch auch schon mit derErndte beschäftigt sein; woher aber die Arbeiter nehmen, die ja Alle unter Waffen stehen.

Gestern sind die Kanonen aufgefahren worden; da Frkfrt noch 25 Millionen Contribution bezahlen soll; 1 Senator hat sich in Folge dessen erhängt[1], des gleichen sein Freund; die Leute sind außer sich und haben soetwas niemals erlebt; Frkfrt4| muss für seine preußenfeindlichen Gesinnungen gewaltig büssen und gehen die Leute mit sehr langen Gesichtern herum; in keinem Laden ist Geschäft, tausende der vornehmen Familien sind abgereist, indem man auf Alles gefasst sein muss.

Heute Mittag komme ich wieder auf Hauptwache mit 125 Mann werde also wieder volle 24 Stunden gehetzt (?) sein.

Viele herzliche Grüße an Euch Alle, insbesondere aber den herzlichsten Gruß und innigsten Kuss von deinem dich immer treuliebenden Gatten

Julius

Erläuterungen

  • [1]1 Senator hat sich in Folge dessen erhängt:  Gemeint ist wahrscheinlich Karl Fellner, Älterer Bürgermeister Frankfurts bis zur Besatzung, danach Bevollmächtigter. Er nahm sich am Morgen des 24. Juli 1866 sein Leben.

Zitierempfehlung

Julius an Barbara, Frankfurt am Main, 25. Juli 1866. In: Julius & Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. URL: http://julius-und-barbara.de/D18660725.html [Datum des Zugriffs]