Julius an Barbara, Frankfurt am Main, 26. Juli 1866
Frankfurt a/M 26/7
1866
Mein herzenliebes Bärbchen!
Die einliegenden Bilder nebst Brief erhielt ich gestern von Thereschen; ich übersende die die Bilder, weil sie bei dir besser aufgehoben sind und den Brief, damit du siehst, wie schön das am Eingange aufgeklebte Bildchen sich ausnimmt; ich habe Thereschens Brief verflossene Nacht beantwortet und ihr wegen des Pärchens (?) meine Bemerkungen gemacht; du wirst gewiss erstaunt sein, daß ich nunmehr auch die Nacht zum Correspondiren benutze; so wisse denn, daß ich schon wieder auf Hauptwache bin und zwar mit meiner ganzen Kompagnie; während nun die übrigen Mannschaften schliefen, habe ich mich mit Correspondenz beschäftigt, indem ich auf der Wache niemals schlafen kann; der Brief an Thereschen ist fertig und der für dich bestimmte soll nunmehr folgen.
Meinen Brief von gestern nebst Cigarren für Vater hast Du hoffentlich erhalten; heute Morgen 6 Uhr nachdem ich mir eben den Wachtdreck ab2|gewaschen habe, drängt es mich schon wieder dir einen Brief zu schreiben indem ich Nichts Besseres auf der Welt habe, als im Geiste; wenns jetzt nur möglich, bei Dir zu sein.
Ich bin noch immer in meinem alten Quartier bei Herrn Baron von Erlanger, nach Moises (?) der größte Prophet in Frankfurt; im Uebrigen bin ich wohl und gesund und gebe weiß Gott was, darum, wenn ich augenblicklich wüsste, wie es jetzt mit dir steht; es ist stets (?) meine größte Sorge und denke ich an deine Lage, wo ich gehe und stehe; der Mann gehört namentlich in jenem feierlichen und wichtigen Augenblicke an das Bett seines Weibes und ich bin fern von dir und kann nicht bei dir sein; ich lebe mitten im Getümmel der Waffen, die wir führen für Gott König und Vaterland und jetzt schon ueber 2 Monate getragen haben. Wir hören hier von der Politik gar nichts und sind wir in einer imglatten (?) Mausefalle gefangen; die Absperrung gegen3| Süden wird strenge gehandhabt und dürfen die Zeitungen nur das Nothwendigste drucken; aus den fortwährenden Truppenmärschen kann man wohl annehmen, daß es mit aller Macht gegen Baiern angeht und dieses Land ebenfalls, gleich den andern gehörig gezüchtigt werden soll wenn nicht unterdessen ein allgemeiner Friede geschlossen wird.
Ich fange in der That an, furchtbar schläfrig zu werden, indem mir der Kopf von dem fürchterlichen Getöse und Spektakel ganz schwer geworden ist; ich muss daher leider für heute abbrechen und schließe meinen kurzen Brief in der sicheren Hoffnung Dich nunmehr an der Seite unsere Erstgeborenen zu finden. Soeben werde ich von meinem Wachttische gerufen und erhalte die Nachricht, daß in Tauberbischofsheim bei Wertheim ein Gefecht mit den Bundestruppen gewesen4|worin diese fürchterliche Prügel erhalten haben. Hoffentlich werden die noch übrigen Theile der berühmten Bundesarmee nunmehr baldigst Vernunft annehmen.
Ich schließe mit den herzlichsten Grüßen an Vater Mutter Ohm Anton, insbesondere aber an dich mit dem herzlichsten Grüßen und innigsten Kusse Dein dich immer treuliebender Gatte
Julius
Zitierempfehlung
Julius an Barbara, Frankfurt am Main, 26. Juli 1866. In: Julius & Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. URL: http://julius-und-barbara.de/D18660726b.html [Datum des Zugriffs]