Metadaten
Absender:in Julius Dumont
Schreibort Hannover
Datum Sonntag, 12.08.1866
Empfänger:in Barbara Dumont
Empfangsort Bergheimerdorf
Archiv Privatbesitz
Status

In Bearbeitung


Julius an Barbara, Hannover, 12. August 1866

Mein herzensliebes Bärbchen!

Gestern Morgen erhielt ich den Brief von Mutter vom 10ten August, woraus ich zu meiner größten Freude ersehe daß du mit dem Kleinen Franz dich fortwährend wohl und gesund befindest und das Wochenbett seinen richtigen Verlauf nimmt; halte dich recht lange oben und lebe strenge nach der vorgeschriebenen Diät; ich weiß daß du dir hierin nichts erlauben wirst was nachtheilig (?) ist. Welche Freude würde es für mich sein, wenn ich dir Alles mündlich sagen könnte, was ich jetzt naoch immer schreiben muss; statt dessen bin ich noch immer weit weg von dir und hat das Reisen von hier für mich seine Schwierigkeiten; ich verlange mit meinen Kameradem sehr danach, baldigst entlassen zu werden, indessen ist noch gar nicht davon die Rede gewesen; ich bin der Ansicht daß wir Alle dem Staate hinlänglich Opfer gebracht haben un daß es hohe Zeis (?) uns (?), wenn man uns unseree Privatstellung wieder zurückgibt.

Mein Kompagnieführer Keller ist auf höhern Befehl entlassen und befindet2| sich schon in Duisburg, von wo aus er mir bereits geschrieben hat; er kann sich in das neue Leben noch gar nicht zurechtfinden, träumt fortwährend von soldatischen Angelegenheiten, die ihm durch den Kopf gehen und drängen.

Mir wird es wahrscheinlich nicht anders gehen und wird es lange dauern ehe ich wieder ruhig am Pulte stehen und die Windmühle von Calcar betrachten kann; es ist inder That großartig in welcher Weise wir herumgezogen sind und wenn ich mir die Karte von Deutschland betrachte, so kann ich kaum glauben, daß ich in so kurzer Zeit so vieles gesehen habe; die Gedanken sind unstät: heuer ist man in Holstein, dann in Frkfurt, dann in Hannover, dann in Cassel, dann in Gießen und sofort von Ort zu Ort

Das Hotel worin ich Quartier habe, gleicht einer Kaserne, imdem eine Masse Einquar (?)tierung darin (?) befindlich ist; die Hannoveraner machen lange Gesichter und wissen nicht woran sie sind, da es wahrscheinlich nächstens definitiv wird, daß sie keinen eigenenen König mehr erhalten werden, gleich werden anderen Ländern3| Wenn Napoleon bei der Geschichte ruhig bleibt, so ist der ganze Krieg sehr schnell beendigt, indem der Friede mit den Mittelstaaten schon in Berlin verhandelt wird, gebe Gott daß Ende August Alles in seinem gewohnten Geleise ist; hier kommt es mir sehr langweilig vor und sitze ich fast nur auf meiner Stube mit dir, unserm Kindchen und meinen sonstigen Angelegenheiten beschäftigt; das Leben ist hier sehr theuer und muss man sich einschränken, wenn das kleine Gehat ausreichen soll bis jetzt habe ich noch keinen Zuschuss gehabt und wird es mir hoffentlich gelingen, auszukommen ohne die Hilfe eines Dritten beanspruchen zu müssen.

Schicke mir an Stelle der beifolgenden Unterhosen 2 neue gewebte hierhin; die übrigen Sachen hebe auf zu den bereits dort befindlichen Sachen. Auguste wird gewiss große Freude an unserm Erstgeborenen gehabt haben; sollte Großmama Dumont noch bei Euch sein, so grüße sie vielmals4| von mir, sowie auch Großpapa Manstetten und Großmama Manstetten nebst Ohm Anton.

Hoffentlich bist du nächstens so weit daß es dir gelingt, einige Zeilen an mich zu schreiben, worauf ich mich sehr freue; ich will jedoch nicht haben, daß Du zum Schreiben übergehst, bevor Du dich stark dazu fühlst. Hast Du meinen Brief mit Ottos (?) Bildniss erhalten?

Halte dich tapfer und sei herzlich gegrüßt und innig geküsst von deinem dich treuliebenden

Gatten Julius

Zitierempfehlung

Julius an Barbara, Hannover, 12. August 1866. In: Julius & Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. URL: http://julius-und-barbara.de/D18660812.html [Datum des Zugriffs]