Barbara an Julius, Bergheim, 10. April 1862
Bergheimerdorf d, 10/4 62
Vivat vivat Julius!
Empfange liebster, theuerster Julius zu dem bevorstehenden frohen Feste, Deinem Namenstage von Deinem so weit entfernten Liebchen, die so gerne, so sehr gerne diesem frohen Feste mit beiwohnen möchte, empfange auch von ihr die herzlichsten die innigsten Glückwünsche.
Möge der liebe Gott, der auf so schöne Weise unsere Herzen jene reine, jene edle Gluth eingeflößt, Er der die Liebe, das SSchönste, das theuerste Erdenglück auch in unsre Herzen gelegt, wolle uns hoffentlich bald , recht bald durch jenes heilige unzertrennliche Band für immer, für ewig vereinigen. Er wolle Dich mein (?) liebster2| Julius noch lange, recht lange als liebender Bräutigam und dereinstiigen Gatten in steter Gesundheit und Zufriedenheit erhalten und nie Deinen Lebenslauf durch dunkle Stunden trüben.
Nicht wahr lieber Julius gemeinschaftlich wollen wir alles andre für nichts achtend, wir auf Ihn bauen auf Ihn vertrauen, denn Er ist ja die beste, die einzige Stärke auf der mit so vielen Beschwernissen kämpfenden Bahn des menschlichen Lebens. –
Damit Du lieber Julius an deinem Namenstage doch wenigstens in etwas Ersatz in Ermangelung Deines Bräutchens hast, schicke ich Dir beifolgendes Bildchen. Ob du das darauf befindliche kleine Mädchen auch wieder erkennst überlasse ich ganz Deiner Urtheilungskraft. Du wirst mir nächstens etwas darüber schreiben.
Das kleine Angebinde welches Du3| anbei erhältst, wird Dir hoffentlich wohl gefallen, gerne hätte ich Dir eine Stickerei, wodurch ich Dir gewiß mehr Freude gemacht haben würde, angefertigt, doch war die Zeit vor Deinem Namenstage zu kurz gemessen, um etwas Ordentliches arbeiten zu können. –
Meine Eltern und Oheimen gratulieren Dich auch aufʼs herzlichste zu Deinem Namensfeste und verehrt Vater Dir einliegendes kleines Banquetchen (?) damit Du unter alle den Angebinden auch eine kleine Erinnerung aus dem Niederlande hast.
Gestern d. 9ten erhielten wir lieber Julius deine lieben Briefe. Doch wie wurden wir überrascht als wir bei denselben der bewußte fanden.
Ich war einerseits ziemlich aufgeregt anderseits habe ich auch lachen müssen, daß Du die Gratulation und all das dumme Geschwätz4| was in dem Briefe stand, mit so ruhigem Herzen einen so ganz entsprechenden Punktum entgegen gesetzt hast. Ich habe die Brillenscheide sogleich Freundschaft (?) Anton geschenkt und wurde dieselbe auf's dankbarste angenommen.
Ohm Anton und dankte Dir auch meine Mutter, welche sich nicht das Mindeste mehr über die Geschichte aufregt, haben sich fast krank über den Brief gelacht und ist Ohm Anton froh, daß er seine Bücher wieder erhalten hat.
Also war vorige Woche dein Bruder in Polch, wie überrascht mußt Du gewesen sein, den lieben Bruder auch einmal bei dir zu sehen. Wie eigen das auch Rieckchen gerade anwesend war, damals haben wir ihr so viel von Otto erzählt vielleicht wie überrascht muß sie gewesen sein als Du ihr Otto vorstelltest? Was muß ihr das Herz geklopft haben, o die arme Rieckchen! Vielleicht hat der liebe5| Gott es so gefügt, daß die beiden sich auch so zufällige Weise kennen gelernt; wie nett würde das sein wenn Rieckchen und Otto, Otto und Rieckchen unserm Beispiel nachfolgen! – bei Gott ist ja alles möglich. –
Grüße Rieckchen recht freundlich von mir und sage ihr das ich ihr bald einen recht langen Brief schreiben würde. Grüße auch meinen lieben Ohm nebst Tante, sage Tante daß sie sich auch die so lange versprochene Reise hierhin schon vorbereiten solle und dann es so einzurichten, daß sie einige Zeit mit den Kindern bei uns bleiben könne, keine Entschuldigung würde angenommen indem wir sonst gar nicht mehr nach Polch kämen. Sobald ich nur in etwa Zeit habe, würde ich ihr noch darüber schreiben.
Verfloßenen Sonntag Abend erhielt ich von Deiner Schwester Antwort auf meine Gratulationen. Die6| deinigen haben sich so gefreut, daß Ohm und Tante sie besucht haben namentlich hat Josephine so große Freude an unserm Täntchen gehabt. Deine Tante schreibt sie mir, ist ja eine muntere, liebe Tante und sieht in ihrem runden Hütchen noch wie ein junges Mädchen aus.
Dank dir lieber Julius das Gerüch Gerücht ist, daß der Ball nicht weißen Sonntag sondern acht Tage später stattfinden soll. Eine wahre Schreckensnachricht! Wie kann man das aushalten, nach 8 Tagen zu den 18 voll sehnsüchtiger Erwartung zu sein.
Nein das kann nicht gehen und zudem dann auch vielleicht Otto nicht mit kommen könnte.
Kummt (?) nur an dem bestimmten weißen Sonntage du kannst ja wenn es möglich zu machen wäre deine Geschäfte so weit ordnen, daß ihr die 8 Tage hier bleiben könt und dann den Ball doch mitmachen könnt. Jedenfalls werde ich dir aber noch nächstens darüber schreiben.
Nochmals empfange den herzlichsten, den innigstens Glückwunsch zu deinem Namensfeste; indem ich dich im Geiste innig und wiederholt küße bin ich dein dich ewig liebendes
Bärbchen Manstetten
Zitierempfehlung
Barbara an Julius, Bergheim, 10. April 1862. In: Julius & Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. URL: http://julius-und-barbara.de/D18620410.html [Datum des Zugriffs]