Metadaten
Absender:in Barbara Dumont
Julius Dumont
Schreibort Kalkar
Datum Sonntag, 06.05.1866
Empfänger:in Franz Clemens Mansteden
Anna Maria Mansteden
Empfangsort Bergheimerdorf
Archiv Privatbesitz
Materialität Gefaltetes 8°, in vier Seiten beschrieben. Auf der ersten Seite oben links ein Bath-Stempel. Postskriptum von Julius auf der letzten halben Seite.
Status

In Bearbeitung


Barbara an ihre Eltern (mit Postskriptum von Julius), Kalkar, 6. Mai 1866

Lieber Vater u Mutter!

Ohm Antons Brief kann ich nicht von hier abgehen lassen. ohne Euch auch von mir einige Zeilen beizulegen. Daß Ohm Anton wider alles Erwarten gestern Abend bei uns hier eintraf (?) was für uns beide, Julius und mich, besonders aber für mich so überraschend, daß es leicht üble Folgen für mich hätte werden können; ich hatte mir gerade auf der Küche ein Ei gekocht, war im Begriff es mir zum wer hreum zurecht zu machen, da höre ich Gretchen die mit Treppenputzen beschäftigt war, sagen: Tag Herr Richter (?)! Wie ein Blitz zog mirs durch den ganzen Körper, ich wußte im ersten Augenblick nicht2| was ich sagen sollte, so groß war die Ueberaschung. Julius der bald darauf vom Büreau kam war es nicht minder. Als die erste Freude und Begrüßung etwas vorüber war, der Öhm sich etwas bequeqm gemacht und ein Glas Wasser getrunken hatte, ging es ans erzählen. wir machten später noch einen kleinen Spaziergang während dessen schon immerfort gejubelt (?) und von unserseite (?) gefragt wurde bis wir denn endlich ganz müde geworden; zu Hause angekommen wurden Kaffee mit Buchweitzen Kuchen dabei gegesssen und dann nach dem nochmals erzählt wurden wie es in der lieben Heimat aussieht, zu Bette gegangen. Nachdem Öhm die erste Nacht in unserer Häuslichkeit gut geschlafen, ging es heute3| Morgen mit Julius zur Kirche wo er nach Beendigung derselben Herr und Frau Notar begrüßte. Ohm gefällt es ganz gut bei uns und hat er sich schon ganz hier eingelebt. Gestern Abend war er mit Julius bei Notars und hat es ihm dort auch gut gefallen. Nun liebe Eltern bin ich mit Ohm Anton fertig! und ist es jetzt darum Euch unsern Dank für den kostbaren Blatz[1] Mehl Fleisch Spargel und den schönen Kopfsalat von dem wir gestern Abend verzehrten und der hier eine Merkwürdigkeit zur jetzigen Zeit ist, abzustatten (?). Das Töpfchen Buller (?) wofür ich mich ganz besonders danke liebe Mutter kam unserer Haushaltung sehr gelegen. Ohm Anton sagte mir, daß du vor Pfinsten ein leeres Töpfchen zurück wünschtest sowie auch ein leerer Korb in d nächster Woche werden wir das Gewünschte besorgen. Ich fühle mich wohl und munter, daß ich4| nicht mehr so recht warum ich keinen kann bereinigt mein Zustand mit sich auch muß überstanden werden liebe Eltern. Für dieses Mal muß ich aufhören empfangt unsern mehmaligen Dank hier alles womit Ihr an uns denkt sowie auch viele herzliche Grüße und Küße von Euren Euch liebenden Kindern

Barbara Manstetten

Liebe Schwiegereltern!

Wenn die ganze Familie schreibt so gehört der Schwiegersohn auch dabei, weshalb ich denn auch einige Zeilen beifügen will. Ohm Anton sitzt im Petter (?) und hat sich Einen angesetzt; heute Abend gehen wir auf Visite mit ihm und werde ich ihm die Schönheiten allmählich zeigen; sein Herz wird er wahrscheinlich hier lassen dem bevorstehenden Ereignisse sehen wir mit Gottvertrauen entgegen

Viele herzliche Grüße von Eurem Euch liebenden Schwiegersohn

Jul Dumont

Erläuterungen

  • [1]Blatz:  Wohl eine Art Hefezopf, im Rheinland „Blatz“ genannt.

Zitierempfehlung

Barbara an ihre Eltern (mit Postskriptum von Julius), Kalkar, 6. Mai 1866. In: Julius & Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. URL: http://julius-und-barbara.de/D18660506.html [Datum des Zugriffs]