Metadaten
Absender:in Julius Dumont
Schreibort Dahmker
Datum Sonntag, 10.06.1866
Empfänger:in Barbara Dumont
Empfangsort Bergheimerdorf
Archiv Privatbesitz
Materialität Gefalteter Bogen 4°, vier Seiten beschrieben. Auf der ersten Seite ist am Rand links noch folgende Bemerkung von Julius hinzugefügt: „Adresse: wie gewöhnlich: bei der 21ten Kompagnie in Dahmke Poststation Grande per Friedrichsruh bei Hamburg“.
Anmerkungen zum Brief Als Ort gibt Julius „Dahmke“ an, diesen Ort gibt es aber nicht. Wahrscheinlich handelt es sich um Dahmker, einem Ort der 12 km entfernt von Grabau und an der Bahnstrecke Schwarzenbek – Bad Oldesloe liegt.
Status

In Bearbeitung


Julius an Barbara, Dahmker, 10. Juni 1866

Main herzensliebes Bärbchen!

Mein letter, von Grabau an dich gerichteter Brief wird hoffentlich in deinen Händen sein und dich überzeugt haben, daß ich noch wohl und gesund bin; heute Sonntag Morgen sind wir von Grabau nach Dahm ke marschirt und will ich sofort darangehen, nachdem ich mich von den Strapazen des Marsches erholt habe, dir einen Brief zu schreiben, indem es sowohl mich drängt, mich mit dir zu unterhalten, als ch auch weiß, daß Du einen Brief von mir mit Sehn sucht erwartest.

Zunächst wisse? denn, daß ich wohl und gesund bin und mir die Schrothkuren gut bekommen; Zweck unserer Reise, ist vor allen Dingen, uns in dem nun erworbenen Lande bekannt zu machen; was wir sollen und wogegen wir marschieern ist nicht bekannt; wir sind nunmehr an der Holsteinschen Grenze angekommen und liegen den Bauern zur Last, die uns2| füttern müssen; die Oestreicher sind aus Hollstein abmarschirt und glaube ich nicht daran, daß man uns zum Kampe verwenden wird, da wir einestheils gar nicht felddienstmäßig ausgerüstet sind anderntheils auch jedenfalls die Linientruppen zuerst heran müssen, wenn überhaupt noch gekämpft werden soll.

Sei also ohne Sorgen und freue dich auf baldiges Wiedersehen, woran ich nicht zweifle.

Du kannst dir leicht vorstellen, daß ich im Geiste immer bei dir bin und Alles mit dir durchlebe; wie oft schon habe ich meinen Talismann, dein Medaillonbildniss beschaut und mich an den treuen Augen erquickt, welche mir daraus entgegenschauten. Zufrieden mit dem Wenigen, was ich habe, freue ich mich schon der kommenden Tage namentlich auf die Nachricht, daß Du mein innigst geliebtes Weib, mir ein Unterpfand unserer treuen Gattenliebe geschenkt hast; beten wir zu Gott daß er dir Kraft und Muth verleihe, jenen tag der freudigsten Hoffnung zu bestehen da die Reise zu dir, meinem treuliebenden Bärbchen, für mich sehr kostspielig sein wird, auch ein Urlaub mir schwerlich ertheilt wird, so muss ich3| wahrscheinlich darauf verzichten, gleich nach Eintritt bei dir zu sein; ich habe bis jetzt mit meinem Gelde vollständig Finanzwirthschaft (?) getrieben und sind in Calcar, wo Du aus den übersanten Postscheinen ersehen haben wirst, nur noch 14 Thaler an Jack (?) Schreinermeister zu bezah len; o. d. Geinten (?) haben keine Rechnung gesandt und konnte ich also dorthin nichts abgehen lassen. Meine Kasse ist augenblicklich noch 11 Thaler und muss ich damit bis zu mitten Juli auskmmen, wenn ich nicht anderweitig entnehmen will; du kannst dir vorstellen, daß ich sehr danach verlange, dich und demnächst auch unsern Erstgeborenen zu sehen und werde ich zu dir eilen, wenn mir solches irgendwie möglich ist.

Bis zum Eintritt des für unsere Familie so bedeutungsvollen Ereignisses haben wir noch 14 Tage, wenn deine Schwangerschaft regelmäßig verläuft; unterdessen sind wir vielleicht Alle wieder an den Rhein zurückgekehrt und werde ich dafür sorgen, daß ich vorher entlassen werde, indem jedenfalls Beurlaubungen stattfinden.

Für Vater habe ich auf den hiesigen4| Wegen Feuerstein gesammelt und werde ich ihm schon nebst der Friedenspfeife aushändign. Für Mutter hatte ich 12 Flaschen feinen Bordau gekauft, der hier sehr gut und billig ist; heute Sonntag sollte er abgehen, was nicht mehr geschehen kann, indem die nächste Poststation von hier 2 Stunden entfernt ist; ich muss ihn nunmehr auf dein Wohlsein selbst verzehren; auch glaube ich, daß das Porto sehr hoch gelaufen wäre.

Die reine Wäsche werde ich hoffentlich in diesen Tagen erhalten. Heute habe ich in unserm Dorfe waschen lassen, wo sich eine gute Wäscherin befindet; von meinem Fenster aus sehe ich, daß dieselbe schon ganz sauber gewaschen ist und bin ich dann wieder reichlich versehen.

Für heute will ich denn abbrechen indem ich glaube, dir von meinem beständigen Wohlsein hinlänglich Ueberzeugung verschafft zu haben. Hoffentlich trifft mein Brief auch Euch in bestem Wohlsein an und erhalte ich demnächst Briefe, worin ich solches ersehe. Mit herzlichen Gruß u Kuss an Euch Alle dein dich immer treuliebender Gatte

Julius

Zitierempfehlung

Julius an Barbara, Dahmker, 10. Juni 1866. In: Julius & Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. URL: http://julius-und-barbara.de/D18660610.html [Datum des Zugriffs]