Metadaten
Absender:in Barbara Dumont
Schreibort Bergheimerdorf
Datum Donnerstag, 19.07.1866 – Freitag, 20.07.1866
Empfänger:in Julius Dumont
Empfangsort
Archiv Privatbesitz
Materialität 4°, gefaltet, 3 Blatt, also 12 Seiten. Bis zur letzten Seite beschrieben. Der Briefschluss ist auf der letzten Seite am Rand senkrechtstehend fortgesetzt.
Anmerkungen zum Brief Der Brief ist von Barbara nur auf den 19.7. datiert, aus dem Text geht aber hervor, dass sie zwei Tage daran geschrieben hat.
Status

In Bearbeitung


Barbara an Julius, Bergheimerdorf, 19.–20. Juli 1866

Herzenslieber Julius!

Heute kann ich es aber nicht mehr aushalten, ich muß wieder zur Feder greifen um dir nochmals eigenhändig Nachricht von mir zu geben; ich hatte zuvor vor dasselbe nicht zu thun indem ich jedoch weiß und selbst fühle daß dich im augenblicklichen Falle ein Brief von meiner Hand geschrieben nicht mehr so erbaut (?) wie dies ein solcher von Ohm Anton gethan haben würde; indessen meine Schuld (?) ist es gewiß nicht, lieber Julius ich hatte bis heute zum 19. sicher gehofft (?), daß das schon so längst erwartende Ereignis sich eingestellt haben2| würde, und dir dann die erfreuliche Nachricht, daß Dein Erstgeborener das Licht der Welt erblickt, durch Ohm Anton mitgetheilt worden wäre, es ist dies nun aber wieder nicht der Fall liebster Julius und deshalb mußt du schon wieder mit einem Briefe von mir zufrieden sein, worin ich dir wenigstens die Beruhigung geben kann, daß sowohl ich mich wohl und gesund befinde, wie auch das theure Pfand welches ich von dir unter meinem Herzen trage. Gebe uns der liebe Gott, daß unser Kindchen so wohl und munter das Licht der Welt erblickt; als es ich es bisher an (?) unter meinem Herzen getragen, wir wollen es hoffen lieber Julius, ich fühle mich3| muthig und stark dasjenigen, was uns bevorsteht z. durchzumachen; der liebe Gott auch, den ich fest vertraue wird mich stärken in den richtigen Augenblicken denen ich entgegen gehe: Denke du auch an mich lieber Julius und bete für mich damit der liebe Gott mich dir erhalte! Mit einem schmerzlichen Gefühle habe ich auch deinen am Sonntag und am Dienstag eingetroffenen Briefen ersehen, daß Du Stade, an dem Orte wo Du so gut aufgehoben, bereits verlassen und dich nunmehr in Cassel befindest; wer weiß aber lieber Julius ob ihr auch daselbst noch bleibet, o ich fürchte nur zu sehr daß auch Ihr zum Kampfe heran4|gezogen werdet, lieber Julius. Wenn ich an dich denke an al dasjenige was dir alsdann bevorsteht, dann wird es mir so weh ums Herz, so traurig zu Muthe, und ich sitze hier so weit von Dir entfernt und kann nicht bei dir sein, kann nichts für dich thun als beten, daß dich der liebe Gott beschützen möge.

O lieber Julius dein Herz kennt und theilt meine Besorgnisse, du weißt wie es mir bei solchen Gedanken zu Muthe ist. Doch ich will mich zu fassen suchen und Dich nicht auch noch mit bedrückt ha machen, ich will dich dem lieben Gott anvertrauen der dich nur allein erhalten und beschützen kann. 5| Laß uns dies aber auch gemeinschaftlich thun lieber Julius auf den lieben Gott laß uns stets fest vertrauen, darum wird auch Er mit uns sein und uns beschützen in jeglicher Gefahr die uns vielleicht noch bevorsteht. Wir wollen gewiß hoffen, daß der von allen so sehnsüchtig erwünschte Frieden zu Stande kommen wird; was der Hand jedoch auch wenig Aussichten dafür da Ich habe gestern meinen Brief nicht fertig gekriegt und fahre alle heute Freitag Nachmittag daran fort nachdem ich dir mitgetheilt, daß ich mich auch heute noch wohl fühle. Du wirst sagen noch einer nichts los noch immer das Wörtchen wohl und munter, wann mag ich wohl etwas anderes6| lieber Julius ich weiß es selbst nicht und kann es mir auch gar nicht erklären daß unser Pitus (?)männchen so lange auf sich warten läßt; es ist doch jetzt beinahe eom hamuer Monat über die bestimte Zeit verflossen. Du kannst wohl denken, daß auch ich wünsche, daß es endlich einmal bei mir losbräche; ich habe schon so häufig geglaubt, wenn ich hie und da etwas Schmerz verspürt, es würde nun drüber hergehen, allein immer habe ich mich getäuscht; Ich bin jetzt, da ich mich ja sehr wohl fühle und auch starke Lebensbewegung unseres Kindchens habe, ganz an das Warten gewöhnt, ich denke gar nicht daran mir noch so Wichtiges bevorsteht, es dann auch7| eher losbrechen lieber Julius. Am Ende erhälst Du auf einmal Nachricht, daß Du in doppelter Weise beglückt bist, wer kann es wissen, lieber Julius. Sage deinem Kompagnieführer daß ich trotz des langen Ausbleibens unsers Rekruten dennoch nicht glaubtem daß statt des Rekruten ein Rekrutin kommen würde; indem die guten Eigenschaften des Vaters nicht immer auf den Sohn übergingen; der Rekrut hätte meiner Ansicht nach vollkommen Recht in der jetzigen bewegten Zeit nicht ein Mindester der in der That großen Pünktlichkeit seines Vaters nach zu ahmen. Bitte grüße Deinen Kompagnieführer unbekan8|nter Weise von mir. Das in Deinem am vorigen Sonntag angekommenen Briefe enthaltene Bildchen hat mir viele Freude gemacht und habe ich dasselbe damit ich es stets in meiner Nähe habe, in den Aman gelegt, lieber Julius; ich habe Deine Photographie jetzt zu drei verschieden Mal und auch drei verschiedene Zimmern. Auf dem Schlafzimmer in meiner Komode, woraus ich täglich dich herausgeholt beschaut und dir mein Leid geklagt habe; auf dem großen Fremdenzimer über dem Sopha wohin ich auch oft meinen Blick richte und jetzt habe ich dich auch im untern Treppenzimmer auf dem Edascher in dem Aman liegen, also nahe bei der9| Hand, wenn die Sehnsucht so auf einmal, wie es so oft geschieht komt, lieber Julius. Hätte ich dich doch wieder ganz, für immer bei mir o wie glücklich würde ich dann sein! Doch lieber Julius wie sehr ich auch nach Dir verlange so will ich doch zufrieden sein wenn ich schon immer die Nachricht höre daß du wohl und gesund bist, ich will Dich gern entbehren wenn Du mir nur einstens wiedergegeben wirst. Beten will ich täglich für Dich. Damit der liebe Gott mir dieses Glück doch verleihen möge. Mache dir um mich keine Sorge lieber Julius, ich bin ja gesund und kräftig gebaut, dasjenige was so viele Frauen durchmachen, wird auch wohl10| bei mir glücklich vorübergehen und was das andere betrifft nämlich Aufwartung etc (?) darüber denke nun gar nicht nach, ich habe ja den Amon studirt und werde mich danach richten. So dem erhalte ich dein liebes Briefchen aus Gießen aus dadort sind (?) wonach Ihr heute schon in Frankfurt eingetroffen seit. Gott gebe uns lieber Julius daß Du endlich Recht hättest und Ihr in Frankfurt bleibet; ich habe goße Angst um Dich denn Du bist angekomen zu der kämpfenden Menge. Schreibe und benachrichtige mich nur so oft wie Du kannst, damit ich weiß wie es um Dich steht und wo Du dran bist; der liebe Gott beschütze Dich!

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Du bemerkst in deinen Briefe eines Pakuetes, hast Du ein solches in dieser Woche hierhin abgehen lassen, wir haben keines erhalten. Hast Du auch einen Brief vom 14 t d. der auch nach Stade addressirt wart, erhalten. Sollte es nicht sein, so bemerke ich dies hiermit nochmals, daß die von dir aus Harburg uns übersandte Kiste in unseren Händen ist. – Die wiedelle (?) Brieftasche dessen Inhalt ich einen Briefe nicht anvertraue lieber Julius liegt in der untersten Komodeschublade meines Komödchens; dasselbe steht auf Mutters Schlafzimer, ich habe die Brieftasche unter meiner reinen Wäsche verborgen und hoffe Dir sein Inhalt selbst zu überreichen. Bemerke, ich bitte dich sehr, daraus in deinen Briefen nichts wegen des Inhaltes12| die anderen wollen deine Briefe imer auch lesen. Ohm Alex (?) kehrte vorgestern von Mittendorf hierhin zurück und blieb den tag über bei uns; er frug sehr nach Dir, trug mir auf Dich herzlich von ihm zu grüßen und Dir zu sagen, daß Du ihm sobald Du wieder glücklich hierhin zurückgekehrt, auch einmal schreiben mögest.

Hier Vater Mutter u Ohm Anton sind noch wohl und munter und grüßen dich aufs herzlichste. Am 26 d. ist Mutters Namenstag; ist es dir in etwa möglich dann denke daran und gratulire lieber Julius. Mit Gretchen habe ich abgerechnet; Selbe (?) erhält von Mutter noch 5–10. Müssen wir am 1. auch Leuven (?) die Miethe bezahlen?

Es fängt an zu dunkeln und muß ich aufhören lieber Julius sei recht herzlich gegrüßt und empfange einen herziniigen Kuß der Liebe von Deinem Dich treulich liebenden

Bärbchen

Zitierempfehlung

Barbara an Julius, Bergheimerdorf, 19.–20. Juli 1866. In: Julius & Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. URL: http://julius-und-barbara.de/D18660719c.html [Datum des Zugriffs]