Julius an Barbara, Harburg, 7. Juli 1866
Harburg 7.7.66
Mein Herzens-Liebes Bärbchen!
Heute Samstag bin ich hierselbst anwesend, um ein Verhör in einer Unterssuchungssache gegen einen Landwehrmann abhalten zu müssen; Morgen früh reise ich über Hamburg nach Stade zurück; ich hatte mich sehr darauf gefreut, von dir heute Abend über Altona einen Brief zu erhalten, indessen vergeblich gewartet. Sollte vielleicht das für uns Alle freudige Ereignis eingetreten send und Du mir einen Nachkommen geboren haben. O banne schnell meine bange Angst, die ich um Dich habe und adressire schnell einen Brief mit Weglassung meines Titels unter Adresse: Jul. Dumont Stadt London in Stade.
Vielleicht fnde ich auch bei meiner Rückkehr in Stade morgen Abend einen Brief von Dir und werde2| darüber nicht wenig efreut sein.
Heute Morgen habe ich von hier per Post ein Paquet abgehen lassen und wünsche Nachricht per Feldpostbrief ob derselben angekommen ist. Ferner ließ ich von hier per Eisenbahn eine Kiste abgehen, gezeichnet B. D. & Horrrem Bahnhof Restante[1]; ich bitte ebenfalls um Nachricht ob die Kiste angekommen ist. Gleichzeitig habe ich von hier einen Brief abgehen lassen an Bahnhofsinspektion Horrem mit der Bitte, dich zu benachrichtigen, daß die Kiste in Horrem angekommen ist; lasset dieselbe sofort durch Adam mit Schubkarre in Horrem abholen und gebt ihm Geld für Fracht mit, die Adresse lautet: Clemens Manstetten in Bergheimerdorf bei Bergheim. Kiste gezeichnet B. D & Horrem - Bahnhof Restante enthält Kleidungsstücke.3|
Im Uebrigen ist bei uns nichts Neues vorgefallen und bin ich wohl und gesund; die Nachrichten vom Kriegsschauplatz lauten friedlicher und wird hoffentlich baldigst der Fride hergestellt sein.
Mit herzlichen Grüßen an Euch Alle, insbesondere den herzlichsten Gruß und wie immer den innigsten Kuss von deinem dich treuliebenden Gatten
Julius
Erläuterungen
- [1]Bahnhof Restante: Der Begriff „restante“ kommt von „poste restante“, das eine postlagernde Sendung bezeichnet.
Zitierempfehlung
Julius an Barbara, Harburg, 7. Juli 1866. In: Julius & Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. URL: http://julius-und-barbara.de/D18660707.html [Datum des Zugriffs]