Metadaten
Absender:in Julius Dumont
Schreibort Frankfurt
Datum Dienstag, 31.07.1866
Empfänger:in Barbara Dumont
Empfangsort Bergheimerdorf
Archiv Privatbesitz
Status

In Bearbeitung


Julius an Barbara, Frankfurt, 31. Juli 1866

Mein herzensliebes Bärbchen!

In beifolgendem Kistchen finddest du noch ein Kistchen; letzteres enthält Sachen verschiedener Art, die mir gestern von Baronin von Erlanger überreicht worden sind mit der Bitte sie dir als ein kleines Andenken zur Erinnerung an meine Anwesenheit hierselbst zu übersenden; sie lässt dich und deinen Prinz unbekannter Weise bestens grüßen und wünscht daß du von ihrem Geschenk recht viele Freude haben mögest; Hoffentlich solches auch der Fall sein und soll sich mutter auch eine Brosche nehmen oder was ihr sonst gefällt; mein Kompagnieführer hat dieselben Gegenstände für seine Frau erhalten und befanden wir uns in nicht geringer Verlegenheit, als Frau Baron die Geschenke überreichte. du siehst wie wir hier aufgehoben sind; schade nur, daß Du jetzt an das Bett gebunden bist sonst hätte ich dich und mutter oder2| Vater hierhin kommen lassen, um dich selbst davon zu überzeugen; daß ich wohl geborgen bin, der Waffenstillstand ist also eingenommen und wird der Friede hoffentlich baldigst folgen.

Wie geht es dir denn, mein liebes junges Mütterchen und was macht unser Kleiner?

Wenn ich diese Fragen stelle, so kannst du mir glauben, daß ich recht innig bedauere, daß du mir keine mündliche Antwort darauf geben kannst; ich muss schnell darüber hinweggehen indem ich sonst gar zu schwermüthig werde und meine Einsamkeit kaum ertragen kann; hoffentlich habe ich das Glück, dich und meinen Erstgeborenen baldigst in meine Arme zu nehmen und wollen wir uns des Wiedersehens erfreuen, ich bin seit dem Eingange der Anzeige deiner Entbindung bedeutend stolz geworden, indem ich mich nunmehr als Vater fühle und glaube, daß alle Leute solches wissen müssten.

Hoffentlich hat das Wochenbett einen3| günstigen Verlauf und lässt du es an der gehörigen Sorgfalt nicht fehlen; wie gar nicht ich bei dir an deinem Bette sein, um theil zunehmen andem Glücke, was uns nun mehr beschieden ist.

Danken wir Gott den glücklichen Ausgang deiner Entibindung; von Bernard welcher Stabsarzt beim Feldbatallion 69ten (?) Infanterie-Regiments ist, erhielt ich Gratulation von Gießen (?) aus; am 3ten August geht derselbe von Gießen nach Hanau und hoffe ich ihn bei Gelegenheit seiner Durchreise hier zu sprechen

Unser Kleiner ist nunmehr in den Empfang des Sakraments der taufe aufgenommen; hoffen wir daß ihm der erste Ausgang gut bekommen ist; vater und Mutter werden auch anwesend sein und bitt ich dieselben herzlich zu grüßen; nach dem Plan (?) ist die Kindtaufe still abgelaufen, was auch der Lage am meisten entsprechend (?) war; das etwa Versäumte kann ja noch immer4| nachgeholt werden, wenn wir erst wieder beisammen sind; was hoffentlich baldigst der Fall sein wird, da Du als geheinche... für einige Zeit pensionirt bist so werden die Briefe spärlicher werden, ich wünsche indessen sehr daß man mir für die ersten 14 tage des Wochenbettes täglich Mittheilung mache ob Mutter und Kind gesund sind damit ich beruhigt sein kann.

Die in beifolgendem Kistchen befindlichen Cigarren sollen darin aufgehoben bleiben damit auch ich etwas zu rauchen habe, wenn ich wieder bei dir bin.

Schreibe mir baldigst ob die Geschenke unversehrt angekommen sind.

Einstweilen sind wir noch Garnison von Frankfurt, ob wir es bleiben werden, lasse ich dahingestellt sein, indem wir zu einem fliegen (?)den (?) Corps gehören also wahrscheinlich nächstens wieder anderswo sein werden

Viele herzliche Grüße an Vater, Mutter und Ohm Anton .... Grüße und Küsse an dich und unsern Erstgeborenen dein dich treu liebender Julius

Zitierempfehlung

Julius an Barbara, Frankfurt, 31. Juli 1866. In: Julius & Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025. URL: http://julius-und-barbara.de/D18660731.html [Datum des Zugriffs]