Julius an Barbara, Wesel, 31. Mai 1866
Wesel 31/5 66
Mein herzensliebes Bärbchen!
Meine beiden, dir in schneller Folge gesandten Briefe wirst du wohl erhalten haben; du kannst es nur natürlich finden, wenn es mich heute schon wiederum verlangt, dir einen Brief zu schreiben, denn was liegt wohl näher, als der fortwährende Gedanke an dich, mein liebes Weib.
Gestern Mittag erhielt ich ein neues Quartier, habe also wieder einpacken müssen und auch sofort wieder ausgepackt; heute Donnerstag Nachmittag will ich nun einige Zeit bei dir sein; wenn es mir auch in anderer Weise viel angenehmer wäre, so muss ich mich begnügen mit demjenigen, was ich habe und so muss ich denn meine Unterhaltung zu Papier bringen.
Heute Nachmittag ist das Jülicher Landwehrbataillon hier eingerückt und dadurch größeres Leben in die hiesige Stadt gekommen; wir sollen indessen nur kurze Zeit daran teilnehmen, indem wir am Samstag von hier abmarschieren, um gleich den Anderen herumgeschleppt zu werden;2| wir kommen als Besatzung nach Minden und haben eine recht großen Marsch zu machen; wahrtscheinlich wird dort dann der Feldzug beendigt sein und ich mit guter Gesundheit zurückkehren; die Möglichkeit, dich also schon bald wiederzusehen, ist nunmehr weiter hinaus gerückt und zerfallen also alle desshalb getroffenen Dispositionen; sobald wir an unsern Bestimmungsorte angekommen sind, werde ich meine [1 unleserliches Wort] so abgeben; vom Marsche aus werde ich dir wiederholt schreiben, damit du überzeugt bleiben kannst, daß ich gesund und wohl bin; auch kannst du alle mir zuschickenden Sachen an dir behalten, bis ich meine nächste Adresse angebe.
Du musst nun nicht traurig werden und an dasjenige denken, was du unter deinem Herzen trägst, sei also standhaft und vertraue mit mir auf Gott, der Alles zum Besten lenken wird.
Die beifolgenden Sachen habe ich als überflüssige dir zugehen lassen; sorge dafür, daß ich nunmehr mit der nächsten Sendung 6 reine Hemder & Strümpfe erhalten kann, indem3| ich daran bedürftig sein werde. Heute ist der erste schöne Nachmittag und wirst du denselben hoffentlich im schönen Garten zubringen fern von mir deinem dich liebenden Gatten; ich sitze auf meiner Stube ganz allein und bin bei dir mit der ganzen Sehnsucht meines Herzens.
Freuen wir uns auf’s Wiedersehen welches hoffentlich bald bevorsteht. Der neunte Monat ist nunmehr baldigst abgelaufen und komme ich dann zu dir, um das theure Pfand unserer Liebe in Empfang zu nehmen; di kannst dir kaum denken, wie sehr ich auf diesen Tag gespannt bin.
Hoffentlich seid Ihr Akke wohl und gesund und genießt das schönen schöne Frühlingswetter, welches inder That jetzt eingetreten ist
Viele herzliche Grüße an Euch Alle insbesondere herzlichen Gruß und Kuss von deinem dich immer treuliebenden Gatten
Julius
Zitierempfehlung
Julius an Barbara, Wesel, 31. Mai 1866. In: Julius & Barbara. Ein rheinischer Familienbriefwechsel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben von Stefan Dumont. Berlin 2025–2026. URL: http://julius-und-barbara.de/D18660531.html [Datum des Zugriffs]